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Geschichte Bremerhavens / von Georg Bessell
Entstehung
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VIERTES KAPITEL

BÜRGERMEISTER SMIDT

Smidts politische Lehrzeit

Wenn Johann Smidt, der bremische Bürgermeister und Grün­der Bremerhavens, das frisch sich verjüngende Bremen der Neuzeit verkörpert, so ist sein Vater, gleichen Namens, Prediger an der Stephanikirche in seiner Vaterstadt, ebenso rein, doch auch er ohne Schärfe, noch ein rechtes Abbild der steifen und würdevollen, ein wenig zu geruhsamen alten Zeit gewesen, unberührt von jedem Hauch der neuen Epoche, die doch, zum mindesten geistig, schon vor der Mitte des Jahrhunderts in Deutschland begonnen hatte. Der große Altersunterschied ließ den Gegensatz deutlicher hervortreten. Als der Sohn 1792 achtzehnjährig die Universität Jena, die Hochburg des damaligen jungen Deutschlands, bezog, stand sein Vater im acht­zigsten Lebensjahre. In seinem Geburtsjahr 1712 herrschten noch die Schweden im Herzogtum Bremen. Erst als er 61 Jahre alt war, wurde ihm in seiner dritten Ehe, die er ein Jahr zuvor geschlossen hatte, am 5. November 1773 der einzige Sohn geboren, der ihn überleben sollte.

Damals waren die Smidts, die aus Holland eingewandert waren die Namensform deutet noch darauf hin, seit 200 Jahren in Bremen seßhaft, und sie gehörten zu den vornehmsten Familien. Ein Onkel und ein Vetter des Predigers waren Bürgermeister gewesen; Groß­vater und Urgroßvater unseres Smidt hatten dem Kollegium der Elterleute, der Vorsteher der Kaufmannschaft, angehört. In dem be­rühmten Enkel verband sich die holländische Schwerblütigkeit der Vorfahren noch der Vater ist 24 Jahre in Holland gewesen mit einer bis ins hohe Greisenalter erstaunlichen Beweglichkeit des Gei­stes. Als er 1792 sein Universitätsstudium natürlich das der Theo­logie beginnen sollte, stand es ihm fest, daß er nicht, der Familien-