DRITTES KAPITEL
WELTHANDEL UND FRANZOSENZEIT
Der Beginn des Bremischen Welthandels
Das 18. Jahrhundert erscheint in Deutschland wie eine Zeit der stillen Vorbereitung auf die großen Dinge, zu denen sich dies seit Jahrhunderten zurückgesetzte Volk fast zu seiner eigenen Überraschung plötzlich, nach einer Epoche ungeheurer Wandlungen, vom Schicksal noch bestimmt sah. Es entsteht in den Stuben der Gelehrten und Künstler in heißem Bemühen die weltumspannende deutsche Dichtung und Philosophie. Es entsteht in übermenschlichem Ringen gegen drei Viertel Europas auf den Schlachtfeldern die preußische Großmacht. Es zeigen sich endlich auch in Deutschland die ersten Anfänge der gewaltigen wirtschaftlichen Umwälzungen, aus denen sich im 19. Jahrhundert das Zeitalter der Technik und des Weltverkehrs entwickelt hat.
Auch an den beiden ersten Bewegungen hat Bremen auf seine Weise Anteil genommen. Aber am wichtigsten war hier natürlich die dritte, die Entstehung des Welthandels. Auch das geschah spät und bedachtsam, nach niederdeutscher Art, dann aber mit Tatkraft.
Der Anfang des Jahrhunderts sah noch den Ausgang der alten Kämpfe um Reichsunmittelbarkeit und Hoheit auf der Weser, günstig der erste, ungünstig der zweite. In den Jahren 1720/23 ereignete sich der Streit mit Oldenburg um das Wachtschiff auf der Weser gelegentlich der Pest in Marseille, von dem schon berichtet worden ist. Es war, wie von bremischen Schriftstellern hervorgehoben wird, der letzte Akt bremischer Hoheitsausübung auf der Weser. Dafür gewann Bremen einige Jahre später (1731) endlich von Hannover die formelle Anerkennung seiner Reichsunmittelbarkeit. Aber noch nicht einmal jetzt war der Zwist völlig geschlichtet. Denn nun be-