ERSTES KAPITEL
BREMEN
UND DAS UNTERWESERGEBIET IM MITTELALTER
Dominium Visurgis
1825 Mai 31 abends: Börsenversammlung — Verlesung der oldenburgischen Konsulatsinstruktion.
1825 Juni 1: Abends der Präsident (Bürgermeister Duntze), Bürgermeister Nonnen und Dr. Heineken bey mir, denen ich den mir in voriger Nacht in Gedanken gekommenen Plan auf bremische Acquisitionen an der Geeste und auf einen Handelstraktat mit Hannover mittheilte.
So beginnt eine eigenhändige Aufzeichnung des Bürgermeisters Smidt über den Gang der Verhandlungen, durch die Bremen im Jahre 1827 von dem damaligen Königreich Hannover den kleinen Landstrich an der Unterweser erwarb, auf dem sich heute der älteste Teil unserer Stadt erhebt. Es ist gleichsam die Geburtsurkunde des Gedankens, durch dessen Verwirklichung Bremerhaven entstanden ist.
Was in jener Nacht nach dem Bekanntwerden der „oldenburgischen Konsulatsinstruktion" wohl noch manches andere Mitglied des „Hochedlen und Hochweisen Rates" der freien Hansestadt mit schwerer Sorge erfüllt haben mochte, das war die drängende Not der Gegenwart, die ganz plötzlich in drohender Nähe aufgetauchte Gefahr, daß der Name Bremens als Seehandelsplatz aus dem Welthandel verschwinden könne: mit greller Deutlichkeit erkannte man die Schwäche der Grundlagen, auf denen bei der zunehmenden Versandung der Weser die bremische Handelsherrschaft beruhte. Denn da die Seeschiffe nur noch bis höchstens Brake hinaufkommen konnten, so verlangte nun Oldenburg — seit mehr als zwei Jahr-