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Bremen in hygienischer Beziehung / hrsg. von Tjaden. Unter Mitw. der Herren: H. Becker, Böhmert, Delbrück
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C. Prof. Tjaden, Auswanderungswesen.

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unterliegen in deutschen Häfen einer regelmäßigen Beaufsichtigung durch die zuständige Behörde. In Bremen ist hierzu das Medizinalamt bestimmt, das sich für diese Zwecke eines Schiffsbesichtigers bedient, der in gesundheitlichen Dingen allerdings als Laie anzusehen ist. Ob man damit auskommen wird, muß die Zukunft lehren.

C. AuswanderimgsweseD.

Bearbeiter Prof. Dr. Tjaden, Geschäftsführer des Gesundheitsrates.

Die Weltstellung Bremens im überseeischen Verkehr ist zum großen Teil gegründet auf die den Erdball umspannende Tätigkeit des Norddeutschen Lloyd. Ein Hauptzweig dieser großen Schiffahrtsgesellschaft erstreckt sich auf die Beförderung von Auswanderern. Wenn der von den deutschen Häfen es kommen nur Bremen und Hamburg in Frage ausgehende Auswandererstrom vor einigen Jahrzehnten noch im wesentlichen aus deutschen Reichsangehörigen bestand, so hat sich das seitdem vollständig verschoben. Die Auswanderung aus Deutschland ist auf kleine Bruchteile ihrer früheren flöhe zurückgegangen, die Beförderung von nicht aus Deutschland stammenden Auswanderern dagegen in hohem Maße gestiegen.

Die maximale Auswanderung von Deutschen zeigte das Jahr 1881 mit 221000 Personen, davon wurden befördert: über Hamburg 84 500, über Bremen 98 500, über Stettin 1500, über ausländische Häfen 36 500. In der Periode von 18811885 betrug die Gesamtauswanderung von Deutschen rund 860 000 Personen, davon wurden über Hamburg annähernd 300 000, über Bremen 410 000 Personen verschifft. Dieser deutschen Auswanderung stand in dem gleichen Zeiträume eine nichtdeutsche in folgender Höhe gegenüber. In dem Jahrfünft 18811885 passierten rund 318000 nichtdeutsche Aus­wanderer deutsche Häfen, und zwar Hamburg rund 190000, Bremen rund 127 000, Stettin etwa 1000. Im Mittel sind damals von Bremen aus jährlich 25 000 nichtdeutsche Auswanderer verschifft.

Ein ganz anderes Bild zeigt die Zeitperiode von 19011905. Die deutsche Auswanderung betrug in den fünf Jahren insgesamt nur rund 146 000 Personen das Maximum zeigt 1903 mit 36000; von den 146 000 Personen wanderten aus über Hamburg 42 000, über Bremen 69 000; der Rest, etwa 35 000 Personen, benutzte ausländische Häfen. Die Zahl der nicht­deutschen Auswanderer belief sich in den fünf Jahren dagegen auf insgesamt 1 160 000 Menschen; davon fuhren über Hamburg rund 480 000, über Bremen 680000. Es steht also 111000 Deutschen, welche von 19011905 über Hamburg und Bremen auswanderten, die zehnfache Menge Nichtdeutscher 1160000 gegenüber, d.h. die Auswanderung ist für Deutschland im wesentlichen zu einer Durch Wanderung geworden.