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Bremen in hygienischer Beziehung / hrsg. von Tjaden. Unter Mitw. der Herren: H. Becker, Böhmert, Delbrück
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Gewerbehygiene.

Bearbeiter: Gewerberat Wegener.

Der gewaltige Aufschwung, den Industrie und Gewerbe in den letzten Jahrzehnten in Deutschland genommen haben, ist auch für Bremen von grundlegender Bedeutung gewesen und hat außerordentlich dazu beigetragen, seinen Eintritt in die Reihe der Industriestädte anzubahnen und vorzubereiten. Im Jahre 1880 unterstanden der Gewerbeinspektion 169 Fabriken und ge­werbliche Anlagen, in denen 5800 Arbeiter beschäftigt wurden unter Zuhilfe­nahme von Kraftmaschinen von zusammen rund 3200 Pferdestärken. Am Ende des Jahres 1899 war die Zahl der Anlagen auf 898, die der Arbeiter auf 15 878 gestiegen und die nutzbare elementare Hilfskraft auf 10 600 Pferde. Heute beschäftigt die der Gewerbeaufsicht unterstehende Industrie über 28 000 Arbeiter in 1939 Fabriken und Werkstätten. Eine Industriestadt im engeren Sinne ist das heutige Bremen trotzdem nicht. Noch bilden Handel und Schiffahrt die hauptsächlichsten treibenden Kräfte des wirtschaftlichen Lebens, aber es sind bedeutsame Merkmale dafür vorhanden, daß die In­dustrie große Anstrengungen macht, sich ihren beiden älteren Schwestern auf dem Gebiete des Erwerbes gleich machtvoll an die Seite zu stellen.

Entsprechend der Vorzugsstellung, welche der Handel von jeher in Bremen eingenommen hat, waren auch Industrie und Gewerbe in nicht ge­ringem Maße darauf angewiesen, deren Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Ver­gleich der kleinen handwerksmäßig betriebenen Werkstätten für die Erforder­nisse der früheren Scgelschiffahrt mit den gewaltigen Fabriken zur Herstellung und Ausrüstung moderner Ozeandampfer, sowie zur Verarbeitung großer Mengen Rohprodukte führt zugleich zu einer interessanten Gegenüberstellung der Arbeitsbedingungen von einst und jetzt.

Die gänzliche Umgestaltung, welche das Wesen der Produktion im Laufe des letzten Jahrhunderts erfahren hat, das Verschwinden des hand­werksmäßigen Zunftlebens und die Entstehung einer völlig neuen Bevölkerungs- klasse, der modernen Industrie - Arbeiterschaft, haben wie überall auch in Bremen das Verhältnis der Arbeitgeber zu den Arbeitnehmern von Grund aus verändert. Die Unwahrscheinlichkeit, selbständig zu werden, das Bewußt­sein der wirtschaftlichen Abhängigkeit und nicht zuletzt die höheren An­forderungen an das Leben haben naturgemäß auch die Ansprüche der Arbeiter an die Unternehmer gesteigert. Neben höherem Lohn, kürzerer Arbeitszeit