A. Die zentrale Wasserversorgung von Bremen.
Von Eugen Götze, Direktor des Wasserwerks.
Seit dem Jahre 1873 hat Bremen eine zentrale Wasserversorgung. Vor dieser Zeit versorgten sich die Bewohner aus Grundwasserbrunnen, die auf öffentlichen Straßen und Plätzen und auf den Privatgrundstücken angelegt waren. Die öffentlichen Brunnen sind zum Teil noch als Rückhalt für die zentrale Wasserleitung erhalten. Außer der Versorgung aus Brunnen bestand in älteren Zeiten eine solche für eng begrenzte Teile der Altstadt durch ein Hebewerk, das' ungereinigtes Weserwasser hob und in Röhrenleitungen verteilte. Es würde zu weit führen, auf diese Anlage, die für den Wasserfachmann geschichtlichen Wert hat, einzugehen. Doch sei erwähnt, daß noch im vorigen Jahre bei Rohrlegungen auf dem Marktplatze alte hölzerne, mit Blei ausgekleidete Röhren gefunden sind. Nach dieser technischen Ausführungsweise müssen die Anfänge einer Versorgung aus der Weser sehr alt sein, mutmaßlich handelt es sich um eine Versorgung des bischöflichen Palastes.
Eine den Anforderungen der neueren Zeit angemessene zentrale Versorgung der ganzen Stadt war bereits im Jahre 1857 angeregt, das Werk wurde aber erst in den Jahren 1871 bis 1873 gebaut und im Herbst des letztgenannten Jahres in Betrieb genommen. Zuerst hatte man beabsichtigt, Wasser in der Nähe der Weser wenig oberhalb der Stadt durch natürliche Filtration zu gewinnen. Es waren auch Versuchsgalerien angelegt und in Betrieb gesetzt. In diesen mischte sich eigentliches Grundwasser, das der Weser zuströmt, mit natürlich filtriertem Weserwasser, und das Gemisch hatte infolge der Beimischung des eisenhaltigen Grundwassers hohen Eisengehalt. Da man zu jener Zeit das Eisen aus dem Wasser noch nicht zu entfernen verstand, sah man von dieser Art der Wassergewinnung ab und entschloß sich zu künstlicher Filtration des Weserwassers.
Die ursprüngliche Anlage wurde für 4000 cbm täglich an etwa 70 000 Einwohner abzugebendes Wasser ausgeführt und eine Erweiterungsmöglichkeit auf das Doppelte wurde für genügend erachtet. Jetzt versorgt das Wasserwerk mit rund 60000 cbm Wasser am Tage der Maximalabgabe oder mit ca. 270 Liter auf den Kopf der Bevölkerung etwa 220 000 Einwohner der Stadt Bremen und der früher selbständigen, jetzt fast durchweg eingemeindeten elf Ortschaften Schwachhausen, Lehe, Horn, Vahr, Hemelingen im Osten, Neueland im Süden und Woltmershausen, Rablinghausen, Walle, Gröpelingen,