Dr. Böhmert, Bevölkerungsstatistik.
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Y. Geschlecht, Alter und Familienstand der Bevölkerung.
In Großstädten mit einer so starken Zuwanderung wie Bremen ist der natürliche Altersaufbau der Bevölkerung und das natürliche Zahlenverhältnis der Geschlechter zueinander vollständig verschoben. Der Altersaufbau der beiden Geschlechter wird bekanntlich durch die Tatsache, daß brdeutend mehr Knaben geboren werden als Mädchen und durch die der größeren Sterblichkeit des männlichen Geschlechts bestimmt. In den ersten Lebensjahren überwiegt deshalb bei allen Volkszählungen die Zahl der Knaben stets erheblich die der Mädchen. Bald aber nähern sich ihnen die Mädchen und überholen sie. Bei der Zählung des Jahres 1900 gewannen sie vorübergehend zwischen dem fünften und sechsten Jahre den Vorsprung. Im Jahre 1890 trat dieses erste vorübergehende Ubergewicht schon zwischen dem vierten und fünften Jahre ein, im Jahre 1880 blieb es vom fünften bis zum neunten Jahre bestehen. Dann holten aber bei allen drei Zählungen die Knaben wieder die Mädchen ein, erst ganz allmählich kamen die Mädchen wieder ihrerseits an die Spitze. Wir dürfen also aus den Ergebnissen der drei Volkszählungen der Schluß ziehen, daß in den ersten vier Lebensjahren eine bedeutend größere Sterblichkeit der Knaben, in den unmittelbar darauf folgenden Jahren eine zwar nicht erhebliche, aber doch größere Sterblichkeit der Mädchen stattfindet, bis etwa vom sechsten bis neunten Lebensjahre die Sterblichkeit der Knaben endgültig höher bleibt. Etwa im 16.—18. Lebensjahre stehen sich beide Geschlechter gleich. Von da an wird das Ubergewicht der Frauen von Jahr zu Jahr größer. In den höchsten Altersjahren sind sie dopjjelt so zahlreich wie die Männer.
Dieses normale Altersverhältnis wird in Bremen, wie bemerkt, durch die starke Wanderungsbewegung wesentlich verschoben. Die beiden Teile der Bevölkerung, der einheimischen und der eingewanderten, sind in ihrem Altersaufbau grundverschieden. Deshalb zeigt die beigegebene graphische Darstellung des Altersaufbaus der bremischen Bevölkerung nicht das Bild einer allmählich sich verjüngenden Pyramide, sondern es tritt in den Altersstufen nach dem 15. Lebensjahre, in denen der Zustrom der Einwanderung einsetzt, ein starkes Anschwellen ein, das sich in der Zeichnung durch eine Ausbauchung nach außen zu erkennen gibt. Trennt man die beiden Bestandteile der Bevölkerung voneinander, wie es in den beiden oberen Zeichnungen der graphischen Darstellung geschehen ist, so tritt die Einwirkung des einwandernden Teils der Bevölkerung auf die gesamte Alterszusammensetzung deutlich hervor.
Am geringsten ist die Bedeutung der Zugewanderten für die unteren Altersstufen und hier zeigt sich daher dieselbe Erscheinung, die wir oben für das ganze Deutsche Beich feststellten. In den ersten vier Jahren war bei den meisten Zählungen in Bremen ein bedeutendes Übergewicht der Knaben vorhanden, im vierten, fünften oder sechsten Jahre gewannen vorübergehend die Mädchen den Vorsprung, wurden aber dann wieder vorübergehend von den Knaben überholt. Vom 16.—18. Jahre erlangten aber die Mädchen das ent-