Dr. Bölnnert, Bevölkerungsstatistik.
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mittelten geborenen Bremern im ganzen etwa 900 abzuziehen haben, die sich nur vorübergehend am Orte der Zählung aufhielten. Im ganzen wurden in anderen deutschen Bundesstaaten gezählt:
im Jahre 1880 1890 1900
im Staatsgebiet Geborene . . 12 592 20 238 30 028 davon in der Stadt Bremen . ? 13 158 20 562
Die bremische Bevölkerimg hat sich also auch ihrerseits in immer zunehmendem Maße an der Wanderung innerhalb des deutschen Reichs beteiligt. Auch die Auswanderung ins Ausland ist von großer Bedeutung, läßt sich aber leider für die in Bremen geborene Bevölkerung nicht feststellen. Wir kennen nur die Gesamtzahl aller aus Bremen nach Ubersee ausgewanderten Personen, unter denen die geborenen Bremer einen sehr hohen Prozentsatz ausmachen werden. Von den deutschen Bundesstaaten sendet Bremen seit Jahren verhältnismäßig am meisten Auswanderer ins Uberseeische Ausland. Von den im bremischen Staatsgebiet wohnhaften Personen wanderten aus:
1871—1880 ........... 3 963 Personen
1881—1890........... 10 449
1891—1900 ........... 6 077
1901—1905........... 2112
Charakteristisch ist das starke Anschwellen der Auswanderung in den für uns ungünstigen Jahren zwischen 1881 und 1890. Die Zahl der Auswanderer kann geradezu als Gradmesser für die wirtschaftlichen Verhältnisse gelten.
III. Häuser, Wohnungen und Haushaltungen.
Bremen ist die Stadt des kleinen Wohnhauses und nimmt in dieser Hinsicht in Deutschland eine völlig isolierte Stellung ein. Während in den Städten der Mietskaserne, wie sie sich in Berlin und in deutschen Orten ausgebildet hat, im Jahre 1900 im Durchschnitt 50 und mehr Personen auf ein Haus kamen und auch in den rheinischen Industriestädten mit ihren zahlreichen „Dreifensterhäusern" 13,96 (Krefeld) bis 19,86 (Dortmund) Bewohner die Regel bilden, hatte Bremen nur eine durchschnittliche Bewohnerzahl von 7,66 im jetzigen Stadtgebiet. Es nähert sich hiernach dem Typus der englischen Städte, wenn auch dort meist noch geringere Bewohnerzahlen vorherrschen. Ein besonderer Vorzug Bremens ist das völlige Fehlen des Hinterhauses. Leider sind diese für uns so erfreulichen Verhältnisse neuerdings in einer Umbildung begriffen. Das typische einstöckige Einfamilienhaus, das noch in manchen älteren Straßen vorherrscht, wird neuerdings kaum noch gebaut. Zwei- und dreistöckige Häuser dringen immer mehr vor, wobei fast durchweg der alte schmale Grundriß (4—7 m Front) beibehalten wird. Dadurch haben sich teilweise recht unerfreuliche WohnungsVerhältnisse herausgebildet. Indessen
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