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Von 1800 — 1872.
In unserem Jahrhunderte ist das bremische Münzwesen ebenso eigentümlich geblieben, wie es seit langer Zeit gewesen war. Unverändert erhielt sich die Rechnung nach Thalern Gold ä 72 Grote a 5 Schwären, aber in noch ausgedehnterem Masse, als früher, dienten fremde Münzen als Zahlungsmittel, bis die Annahme der Reichsmünzwährung besseren Verhältnissen den Weg bahnte, und namentlich die so wichtige Uebereinstimmung mit den übrigen Staaten des deutschen Reichs herbeiführte.
Ausmünzungen hatten seit 1764 kaum noch stattgefunden, nur halbe Groten und Schwären sind hin und wieder in kleinen Mengen geschlagen. Etwa 1835 machte sich Mangel an Scheidemünze bemerkbar, welcher in den nächsten Jahren so häufig wiederkehrte, dass 1840 beschlossen ist, neue Ausprägungen vorzunehmen. Noch stärker würde der Mangel an kleinem Gelde empfunden sein, wenn nicht der niedrige holländische Cours in jener Zeit viele holländische Gulden nach Bremen geführt hätte, welche zu 36 Grote oder als halbe Thaler im Verkehre blieben 1 ).
Das Verschwinden der einzelnen Groten, an welchen es hauptsächlich fehlte, bleibt eine unaufgeklärte Thatsache. Nur zum kleinen Theil können die davon im 18. Jahrhunderte geschlagenen erheblichen Summen durch Verlust und Abnutzung untergegangen sein. Während des siebenjährigen Krieges wanderten, wie erwähnt, wahrscheinlich die alten besseren Gepräge grösstentheils in den Schmelztiegel, allein von den seit 1708 geschlagenen Groten lässt sich dieses kaum vermuthen, da sie zu geringen Gehalts waren. Auch in der Nachbarschaft Bremen's dürfte im vorigen Jahrhunderte weniges von den Groten geblieben sein, da Hannover sie
') 1846 sind die holländischen G lüden als Zahlmittel verboten.