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Toilette.
Anfangs steckten freilich die Leute die Köpfe deshalb zusammen und meinten, daß ein unfrisirter, ungepuderter, ver- rülenloser Geistlicher doch gar zu schnurrig aussähe. Besonders der gemeine Mann hatte kein Wohlgefallen daran, weil nach seiner Meinung der Pastor nicht wie der Küper und Tagelöhner u. dgl. Leute sein Haar gar schlicht tragen dürfte, um nicht seiner Würde zu viel zu vergeben. In der Folge fand dies aber Beifall. Die Perrülen wurden bald nach meiner Rückkehr von einigen ganz abgeschafft. Mehre Geistliche fuhren in der Folge, auch nachdem ich Bremen verlassen und anderswo ein Amt angenommen hatte, fort, das Haar ebenso wie ich zu tragen. Und als ich im Jahre 1817 auf Besuch in Bremen war, sah ich dort denn gar keine Perrüle mehr, als bei einem alten fünfundsiebzig- jährigen hochgeehrten Domprediger. Mit dieser einzigen Ausnahme trug man damals ganz allgemein kurz abgeschnittenes Haar.
7. Speise uiid Trank.
Trotz der Anstrengungen, die schon Karl der Große gemacht hatte, um allerlei Küchengewächse und Speisen in Deutschland einzuführen und die Nahrungsweise etwas mannigfaltiger zu machen, waren doch die Fortschritte, die man in Bremen um die Mitte des 18. Jahrhunderts hierin gemacht hatte, noch ziemlich gering und die ganze Küchenwirthschaft noch sehr alterthümlich. Namentlich fehlte es noch- vielfach an guten Gemüsen und Früchten. Schwerfällige und einförmige Mehl- und Fleischspeisen bildeten noch immer wie im Mittelalter die Hauptgerichte. Gemüsegärten gab es nur noch wenige bei der Stadt, hauptsächlich nur „Kohlgärten". Die Bürger trieben von allen landwirtschaftlichen Gewerben die Viehzucht und Milchwirthschaft auf ihrem alten Lieblingsbesitzthum, der „Bürger-Weide", und die Bauern