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Alte und neue Zeit : Episoden aus der Cultur-Geschichte der freien Reichs-Stadt Bremen / von J. G. Kohl
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Toilette.

Diese Zopsproben mögen hier zunächst genügen. Mit und nach der französischen Revolution wurde die Disciplin im Rathe, in den Familien, auf den Comptoiren und überall milder und die Sitten und Gewohnheiten im Umgange der Untergebenen mit ihren Oberen humaner und würdevoller.

0. Toilette.

Das Costüm der Bremer Bürger und seine Wand­lungen im Laufe der Zeiteu zu schildern, ist ein sehr schwie­riges Geschäft, theils weil wir wenigstens für die älteren Zeiten nur dürftig über diesen Gegenstand unterrichtet sind, theils weil die Kleidung je nach dem Range, Gewerbe und Geschlechte so außerordentlich verschieden war, und man ohne Abbildungen doch auch kaum recht deutliche Borstellung von den zahllosen Theilen nnd Modificationen der Toilette geben könnte. Ich will hier nur einige Bemerkungen über die diesen Gegenstand aus der Zeit unserer Großväter und Ur­großväter, die ich mündlichen und schriftlichen Traditionen ent­nommen habe, mittheilen, und mag dabei zunächst mit der obersten Classe der Staatsbürger beginnen.

Eine lange Allongenperrüke auf dem Kopfe, ein schwarzer Mantel um die Schultern, ein stattlicher, in viele Falten gelegter tellerartiger Kragen ein sogenanntesKlinken- Böfken"^) um den Hals, Schuh und Schnallen an den Füßen, ein Degen an der Seite, das waren ungefähr die Hauptelemente des Ornates der Bremer Rathsherren im 18. Jahrhundert. Diese Kleidung soll seit dem Jahre 1648 mit dem Ende des dreißigjährigen Krieges aufgekommen sein. Vor dieser Zeit trugeu die Nathsherren breitkrämpige sam- inetne Hüte oder Barrette, kurze spauische Mäntel und

*) VonKlinke" Falte.