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Alte und neue Zeit : Episoden aus der Cultur-Geschichte der freien Reichs-Stadt Bremen / von J. G. Kohl
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Vom Marsstalk',

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führung von Bürgermeistern und Senatoren schritt dieser Oberste Hausbote des Raths voran und die übrigen Raths­diener folgten ihm. Er trug dabei ungefähr dieselbe Uni­form wie diese. Doch waren seine silbernen Tressen und Besätze etwas breiter. Er kam den Geheimnissen der Re­publik natürlich noch näher als alle übrigen und er mußte daher eine des Vertrauens vorzüglich würdige Person sein, sowie auch wegen der Geheimhaltung wegender Hale" noch einen besondern Eid schwören. Es gab Verrich­tungen des Raths, bei denen nur er zugelassen wurde, z. B. wenn bei einer neuen Rathswahl die Wahlherren bei ihren Deliberationen abgesondert nnd eingeschlossen waren, wo denn blos der Rathhausdiener und Niemand anders sie bedienen und ihnen nahen durfte. Doch hievon muß ich später noch einmal etwas Näheres mittheilen.

4. Die Kaufleute uno ihre Rörsen.

Die Gewohnheit der Kaufleute, an gewissen Tagen oder Stunden außerhalb ihrer Wohnhäuser zur Besprechung ihrer Geschäfte zusammeu zu kommen, ist schon sehr alt. Sie be­stand bereits im alten Rom. Und es giebt noch in dem jetzi­gen Rom ein paar unbedeutende Ruinen, welche von den heutigen Bewohnern der Stadtlg. IvAg-ia." genannt wer­den uud die Ueberreste des uralten Versammlungshauses der frühereu römischen Kaufleute sein sollen.

Auch in den Handelsplätzen Italiens, Deutschlands und des übrigen Europas kam im Mittelalter dieselbe Gewohn­heit auf. Doch behalfen sich die damaligen Geschäftsmänner bei ihren Zusammenkünften lange Zeit mit sehr dürftigen Bequemlichkeiten und Vorrichtungen. Fast überall bedienten sie sich dazu der allgemeinen Marktplätze oder sonst irgend