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Reden der Syndica.
Reden herrscht alsdann ein ganz anderer Geist und Styl. Die Redner wenden sich nun nicht mehr an den griechischen Philosophen Agathon, an die Römer und an Moses. An die Stelle der alten Klassiker und der Bibel treten vielmehr unsere Deutschen Schiller und Göthe und Citate aus ihreu Schriften, sowie an die Stelle der hochtönenden Floskeln, der weit hergeholten philosophischen Allgemeinheiten und blumenreichen Complimente aus der Münzkunde und Heraldik mehr praktische und näher liegende Bemerkungen und Rathschläge. Auch erinnerten sich jetzt die Redner beim Anblick eines neu eintretenden Bremischen Nathsherrn oder Bürgermeisters nicht mehr des Pompejus und Cäsar oder jener regierungssüchtigen Kölnerin Agrippina, der Mutter des Nero, und anderer gekrönter Häupter.
„In alten Zeiten", so heißt es in einem dieser Präsidial-Vorträge des 19. Jahrhunderts, „schienen die Festredner das erwählte und eingeführte Mitglied des Raths immer vorzugsweise recht fleißig zu ermähnen, daß er einen ganz anderen und neuen Menschen anziehen solle."
„Muß ein für nehm er Geist jetzt in ihn fahren."
„Heutiges Tages muß aber ein Nathmann vor allen Dingen ein rechter dien end er Geist sein. Und man redet ihm daher nun nicht mehr so viel von den Principien der Regierungskunst vor."
3. Vom Marsflnlle und mm den reitenden Dienern des Raths.
In alten Zeiten, als die Rathsmitglieder noch oft ritterlichen Geschlechtern angehörten, war auch der ganze Rath selbst beritten. In den ungepflasterten und schmutzigen Straßen der Stadt konnte man sich mit Anstand und