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Alte und neue Zeit : Episoden aus der Cultur-Geschichte der freien Reichs-Stadt Bremen / von J. G. Kohl
Entstehung
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15.

HochMs-Gedichte.

Unter den im Menschenleben wiederkehrenden freudigen Ereignissen und Festen hat wohl keins die Dichter so viel­fach angesprochen, wie das, bei welchem der poetische und erfinderische Gott Amor die Hauptrolle spielt. Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten hat Apollo seine Leier überall auf Erden laut ertönen lassen. Schon die alten Griechen und Römer hatten ihre lärmigenEpithalamien", muntere und lau­nige Lieder, die sie vor der Brautkammer absaugen. Bei den sehr poetischen Letten und Lithauern sind die Wettgesänge der Jungfrauen und Weiber bei Hochzeiten ganz endlos, und ähnlich ist es begreiflicherweise bei vielen anderen Völ­kern gewesen.

Auch unsere alten Germanen und später unsere edlen Minnesänger sowie nach ihnen unsere bürgerlichen Meistcr- sänger ließen sich natürlich dieses hübsche Thema nicht ent­schlüpfen. Doch wissen wir vor dem 15. und 16. Jahr­hundert von den bei unseren Bremer Bürgern üblichen Hoch­zeitsgedichten nur wenig Specielles zu melden, entweder weil sie uns vor dieser Zeit nicht aufbewahrt sind oder weil die Muse damals noch nicht so productiv war. Erst als die Buchdruckerkunst erfunden und in unseren Städten verbreitet