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Ne alten Apotheken und Meoirnmente.
Noch heutigen Tages wohnen in den Vorstädten Bremens arme Frauen, die im Frühling mit ihren Töchtern in die benachbarten Hniden hinauslaufen und daselbst für ihre Nachbarn und für die Apotheken allerlei heilsame Kräuter, Blüthen und Wurzeln sammeln. Wahrscheinlich stammen diese „Kräuter- Frauen" aus urältester Zeit, und wir müssen in ihnen vermuthlich die ersten Apotheker der Stadt erblicken, die mit dem, was die Haide darbot und was alte Gewohnheit oder Aberglaube als Heilmittel sanctiouirt hatte, die körperlichen Leiden der städtischen Menschheit zu mildern trachteten und die alten Medicamentenschränke, welche die alten Klöster und ihre Spitäler gewiß längst besaßen, füllten.
Als im 13. und 14. Jahrhundert der Handel mit Brabant und den Niederlanden aufblühte, da mögen von dort auch ausländische, südliche und orientalische Heilmittel, welche die Italiener zur Scheide uud den Nheinmüuduugeu brachten, häufiger nach Bremen gekommen nad den unstudirten Doctoren der Stadt, den alten Sicchcnhäusern, den Mönchen und Klosterärztcn, den Badern, „Landfahrern" (wandernden Aerzten) und anderen längst vorhandenen Dilettanten und Quacksalbern in die Hand gespielt sein.
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