3.
Sturm- Fluth- und Eisgangs-ChroniK.
Der ganze Küstenstrich von den Mündungen der Scheide und des Rheins im Westen bis zu denen der Elbe und der Eider im Osten ist von jeher in ganz Europa der großartigste Schauplatz außerordentlicher Naturereignisse uud Zerstörungen durch Stürme und Wasser gewesen. „Der erzürnte Gott," sagt ein alter Friesischer Antor, „hat für jedes Laud uud Volk eiue besondere Plage, womit Er dasselbe gleich wie mit einem scharfen Zügel im Zanme hält, für Egvpten die pcstilentzialische Seuche, für Italien die Erdbeben, für Finnland Hungersnoth und Theurnng," — für den bezeichneten Abschnitt des nordwestlichen Deutschlands „sind die Wassersluthen als die ihnen eigenen Ruthen gebunden worden". Die Bevölkerung dieses großen Landstrichs hat, so lange sie eristirt, im Kampfe mit Wasser und Wind die traurigsten Schicksale erlitten, freilich auch zur Förderung menschlicher Cultur die schönsten Siege errungen.
Auch die Stadt Bremen liegt in dieser argen europäischen Fluth- und Windecke. Die Leiden und Bedränge nisse, die sie vom Meere und von ihrer Weser, welche beide zugleich ihre besten Freunde und ihre schlimmsten Feinde waren, erduldete, ziehen sich dnrch ihre ganze Geschichte wie