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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
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Bewohnern ein Raub der Wellen werden sollten. Ja es sei zu befürchten, daß ohne diese kostbaren Anstalten mit der Zeit ganz Niedersachsen größtentheils von der Nordsee verschlungen und so das ganze deutsche Reich bedeutender Abnahme ausgesetzt sein werde. Zur Abwendung der Gefahr wären schwere Ausgaben erforderlich, die am süglichsten durch einen Zoll auf der Weser zu decken sein mochten.

Auf solche schlaue Vorstellungen erfolgten Besichtigungen an ' Ort und Stelle durch kaiserliche Commissarien, und trotz fortgesetzten und hartnäckigen Widerspruchs der Stadt Bremen die Erlaubnis zur Anlegung des Zolles. Einmal wollten die Bremer in runder Summe 100,000 Thalcr bezahlen, den lästigen Zoll abzukaufcn, der in den letzten Zeiten seines Bestehens (er ward erst 1820 aufgehoben) den fünften Theil aller oldenburgischcn Staatseinkünfte ausmachtc. Charakteristisch, war es, daß die Kurfürsten unter der Bedingung den Zoll bewilligten, daß ihre Landcsunterthanen ihn nicht zu zahlen brauchten. Bremen sollte also allein die Kosten decken, welche erforderlich waren, das Land Oldenburg vor einem etwaigen Unter­gänge zu schützen- Ein wunderliches Ansinnen!

37. Drangsale der Stadt im sieben­jährigen Kriege.

Je mehr wir uns der Neuzeit nähern, desto reichhaltiger fließen die Quellen, aus welchen sich der Stoff für die Darstellung des Vergangenen schöpfen läßt, aber die Begebenheiten verlieren immer mehr jenen Character, der die Erzählungen aus früheren Jahrhunderten für uns so anziehend und lehrreich macht. Die Blitzsunkcn, sagt Storck, dessen Gedanken wir hier zunächst folgen, welche aus den Reibungen der Leidenschaften sprühen und die Tiefe und Höhe der Menschheit in raschen Lichtern erscheinen lassen , bilden den großen Reiz alterthümlichcr Geschichten. Das offene Gegeneinandcrstreben der Leidenschaften, der Kampf der Unterdrückten gegen die Ucbcrmacht, des Rechts gegen das Unrecht hatte sich in dem Zeiträume, aus