32. Die Hundertundviermänner.
Die Saat des Unheils wucherte fort. Sieg oder Untergang konnte jetzt nur noch das Losungswort der Urheber des Aufstandes sein, denn das Blut der schuldlos Gemordeten schrie überlaut um Rache. Biele Bürger erkannten bereits, daß das Beginnen der letzte» Tage ungesetzlich und deßhalb strafbar sei. Einzelne Stimmen sprachen offen gegen Dovc und seinen Anhang, drangen sogar auf Verhaftung und Straft. Aber die niederen Volksklassen hingen mit allem Eifer den Aufrührern an, deren Worten sie blindlings folgten. Aus das unbedingte Vertrauen und den Beistand der großen Menge mußte Dove aber auch ferner seinen Plan gründen. Zwar bedauerte er es, daß unschuldig Blut geflossene sei, ob aber aus vollem Herzen, aus wahrem Mitgefühl, wer will darüber entscheiden? Er hatte das Ungcwitter über das Haupt des Comthurs hcraufbeschwvren und am Morgen des vcrhängnißvollcn Tages frei herausgesagt, daß cs gut oder böse enden müsse. Er ließ durch den Büchscnmeister die Kanone auf den Thurm richten, der die Unglücklichen barg, und mußte also das schlimmste Ende vorausschcn. -Jedenfalls war cs eine große Ucbercilung, eine gewaltige Kurzsichtigkeit, die ihn zu so außerordentlichen Schritten trieb. Nunmehr mußte er weiter, denn das war ihm klar, wenn er jetzt dem Nathe und dem Gesetze volle Gewalt lasse, daß man alsdann wegen jener verbrcchcnschweren That ihn und seine Genossen zur Verantwortung ziehen werde, daß alsdann ihm, dem Urheber, eine peinliche Straft bevorstche. Es kam darauf an, die Erregung des größten Thciles der Bürgerschaft zu erhalten, wo möglich zu steigern. Zu dem Ende stachelte er den Ehrgeiz Vieler durch die Bemerkung auf, daß es höchst zweckmäßig sein werde, wenn dem Nathe ein Bürgerausschuß berathcnd und beschließend zur Seite stehe und drang auf sofortige Ausführung dieses Vorschlages.
Der Rath sah sich genölhigt, aus jeden» der vier Kirchspiele zehn Männer wählen zu lassen, deren Hauptaufgabe sein sollte, in Gemeinschaft mit ihm die Weideangclcgenhcit zu ordnen. An der Spitze der Gemeinde besichtigten die vierzig Männer täglich die Weide, auch nahmen sie Messungen vor, um die ursprüngliche Größe der letzteren