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Ein Versuch des Erzbischofs, den Bürgern 25,000 Goldgulden abzupresscn, um davon einen Thcil seiner ungeheuren Schulden zu bezahlen, mißlang gänzlich.
Nach solchen» Vorgänge wurde auch den Klostergeistlichcn der Gottesdienst untersagt, wobei man es jedem Mönch sreistcllte, entweder auszuwander» oder bei einfacher Kost und Pflege, welche die Stadt gewähren wolle, bis an sein Lebensende in seiner Zelle zu verbleiben. Das Kloster der grauen Mönche wurde in ein Krankenhaus, das der schwarzen hingegen in ein Ghmnasium verwandelt. *)
30. Unruhen wegen der Weide.
Es ist eine ausgemachte Erfahrung, daß Umwälzungen auf dem Gebiete des religiösen Lebens eines Volkes auch in die bürgerlichen und staatlichen Verhältnisse desselben cingreiscn, hier gleicherweise Verbesserungen anbahnend und vollführcnd. Natürlich darf die religiöse Neuerung nicht bloß ein Aendern todter Formen oder rein äußerlicher Merkmale sein, sic muß vielmehr den Kern, den eigentlichen, wesentlichen Inhalt des Glaubens und der damit verknüpften, höheren Lebenspflichten erfassen, namentlich im regen Fortschritt zur edler», reinem Gottescrkenntniß bestehen. Wenn ihr die Blätter der Geschichte mit Aufmerksamkeit leset, werdet ihr dies oftmals als unumstößliche, ernste Wahrheit bestätigt finden. Religion und Leben stehen in so inniger Wechselwirkung, daß das eine durch das andere nach Form und Wesen fortwährend bedingt wird. Ringt sich der Geist zur Selbständigkeit empor, — und diese kann nur in der
*) In» Kloster zu St. Johannis lebten in» Lahre l b46 noch zwei Mönche, Gerhard Langhar und Hermann Schnitteker. — Das Kloster der schwarzen Mönche hat sich in Reste» bis auf die jüngste Zeit erhalten, ist aber gegenwärtig durch Neubau, um namentlich für eine Gewerbe- und höhere Bürgerschule Localitäteu zu gewinne», gänzlich umgeformt. Ein Stück vom Chor der schönen Kirche schaut in Gestalt eines Waarenlagers noch i» den Schiisselkorv hinein.