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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
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von boshaften Pfaffen zur entsetzlichen Gräuelthat fanatisirtcn Vorfahren zu sühnen, im Jahre 183tt einen Denkstein errichtet.

Die schönste Anerkennung seiner Verdienste ruht jedoch in den Herzen der Nachwelt, die über sein Ende trauert, sein erhabenes Beispiel der Selbstaufopferung im Dienste der göttlichen Wahrheit hochachtct und zur Nacheiferung anprciset. Nicht Kerker, Mißhandlung und Feuertod machten ihn zum Märtyrer, sondern die Treue, mit welcher er bis ans Ende bei seiner Ueberzcugung verharrte. Er gehörte zu jenen seltenen Menschen, die in ihrem Wollen und Wirken erst an das große Ganze, die Menschheit denken, ihr die edelsten Kräfte widmen und zuletzt an das kleine, unbedeutende "Ich". Wäre nur die Hälfte aller Menschen von solcher uneigennützigen, vollen Hingabe im Dienste der erkannten, hohem Pflicht erfüllt, einer solchen Selbstverleugnung fähig: es sähe heute in manchen Stücken anders aus. Da folgen aber die meisten dem leidigen Sprichwortc: "Jeder ist sich selbst der Nächste" und achten nicht darauf, daß bei solcher Sinnesart jede höhere Beziehung des Lebens zu Gott schwindet, und sie und die Ihrigen am Ende selbst zu Grunde gehen müssen.

In hoher Bewunderung seines ausgezeichneten Strebcns nennen wir daher Heinrich vonZütphcn den Reformator der bremischen Kirche!

29. Fortgang der Kirchenverbefferzmg.

Das kühn begonnene Werk der Reformation ward in Bremen, nachdem der erste Schritt dazu gelungen, rasch weiter sortgeführt. Allerdings konnte cs nicht ohne Kampf geschehen, ohne Uebcrwindung mancher Schwierigkeit, da sich die katholischen Geistlichen den soge­nannten Neuerungen mit hartnäckigem Ernst widcrsctztcn. Aber cs herrschte damals unter den Anhängern der neuen Lehre eine wunder­bare Begeisterung; ein Feuereifer, der vor keinem Hindernisse erbebte, der im raschen Anlauf über manche Schranke hinwcgsetzte. Das Beispiel des großen Luthers, der mit unerschrockenem Muthc so man­chen schweren Standpunkt behauptet, der in Wort und Schrift vor