Druckschrift 
Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126

Als die Botschaft davon nach Bremen kam, war Alles voll Jubel und Entzücken. Viele Ritter und Stistsadelige kamen in die Stadt, dem Kirchenfürsten zu seiner Befreiung Glück zu wünschen, ihre Brüder und Vettern zu begrüßen und am Tage der Rückkehr ging cs hoch her mit Zechgclag und Schmauserei. Freude herrschte in allen Häusern, auf allen Gassen. Die Nathsvcrwandtcn hielten in der großen Halle des neuen Nathhauscs *) ein fröhliches Banket, Trompeten, Pfeifen und Pauken erschallten. Tanz und allerhand Belustigung ergötzte das Volk beim wiedercrrichtcten, steinernen Nolandbildc auf dem Marktplatze. Das Verdienst, welches sich Johann Vaßmcr um Bremen erworben, wurde allgemein anerkannt. Laut ertönte das Lob seines treuen Eifers, seiner warmen, ergreifenden Beredsamkeit von den Lippen Aller. Sein Name war der vielgepriesene des Tages und in dankbarer Rührung schlugen ihm die Herzen der Befreiten und ihrer Freunde. Der Hochgefeierte erschien nach erfolgter Einladung mit dm andern Bürgermeistern und sämtlichen Rathshcrrcn vor dem Erzbischof, welcher unter herzlichen Worten des Dankes ihm zurcdete, er möge sich Etwas ausbitten, man wolle cs ihm gewähren, so weit cs möglich sei, cs möge im Erzstift fein oder in der Stadt. Und er, der würdige Greis, der den schönsten, unvergänglichen Lohn seines Wirkens in sich selber, in dem Bewußtsein treuerfüllter Pflicht trug, eutgegnete, er sei ein alter Mann, welchem außer dem, was er schon besitze, das Leben keine wahren Glücksgütcr mehr bieten könne, er begehre nichts anders, als daß man sich ihm und seinen Kindern allezeit freundlich und gnädig erzeige. Nach solchen Worten des braven Mannes erfolgten neue Danksagungen, daß man cs sein Lebcnlang vor Augen haben wolle und unter den Bürgern ging die Rede um, was er dem ganzen Gemeinwesen zum Segen gethan, könne weder ihm, noch seinen Kindern jemals vergolten werden.

Doch vom höchsten Gipfel des Ruhmes bis zur niedrigsten Stufe der Schmach führt oft ein kurzer Weg. Volksgunst ist ein gar wetterwendisch Ding, das Farbe und Gestalt ändert über Nacht. Die wandelbare Zeit weckt wilde Stürme, rasende Leidenschaften und verwischt nur allzu leicht den Eindruck der Rührung im Herzen des

*) Dasselbe war im Jahre 1405 in Bau genommen und nach 5 Jahren vollendet.