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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
Entstehung
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22. Kämpfe mit den Friesen.

Wie rasch wechselnd die Ereignisse in früherer Zeit einander drängten, hat der vorige Abschnitt auf's Neue dargcthan. Kaum hatte der Sturm im Innern ausgetobt, kaum war der wilderreg- tm Leidenschaft einzelner ehrgeizigen und selbstsüchtigen Männer ein Ziel gesetzt, so richtete sich der Blick wieder nach Außen. Ein unruhvollcs Leben war einmal durch die Zcitverhältnisse gegeben und, wenn die Umstände es erforderten, zu einem kriegerischen Unternehmen auch stets eine kampflustige Schaar bereit zu finden. Wenn gleich durch das immer mehr in Anwendung kommende Schießpulver die Art und Weise der Kriegssührung einer gänzlichen Umgestaltung entgegen ging, so beruhte die Erlangung des Sieges im Kampfgctümmcl doch noch wesentlich auf der Stärke des Armes. Die kleinern und großem Schlachten, welche geschlagen wurden, glichen mehr oder weniger wil­dem Gewühlc, einer rohen und wüsten Schlägerei. Mit dem Bewußt­sein und der Anerkennung des Werthcs persönlicher Kraft hielt sich aber auch der Wahn aufrecht, daß cs keine Schande sei, wenn Leute, die nicht durch Bande des Blutes oder der Freundschaft verbunden waren, sich wechselseitig im Besitz von Hab' und Gut, von Freiheit rind Leben gefährdeten. Daher blieb Raub und Plünderung zu Wasser und zu Lande noch immer in vollem Gange. Wenn beim steten Hin- und Herwogen des Kampfes nicht ganze Landstriche verarmten und zur Einöde wurden, so lag das einerseits an der ungemeinen Er­tragfähigkeit des Bodens, auf welchem die Fehden vor sich gingen, andererseits aber auch daran, daß Alles zu rauben auszog, bald die eine, bald die andere, dann vielleicht gar eine dritte oder vierte Partei obsiegte und so die leicht gemachte Beute schnell aus einer Hand in die andere überging. Daß bei solchen Zuständen Handel und Wandel außerordentlich litten, die bürgerlichen Handthicrungcn in Städten und Ortschaften schwer gedrückt, wurden, bedarf wol keiner Erwähnung. Dcßhalb erscheint cs aber auch natürlich, daß vom bürgerlichen Ge­meinwesen die Versuche ausgehen mußten, jenem Unwesen Schranken zu bauen, es auszurottcn und den verderblichen Neigungen des Zeit­geistes eine edlere Richtung zu geben. Wir finden in unfern Chroniken