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Ein Jahr nach Aushebung dcS Interdikts und seiner eigenen Befreiung von der Ncichsacht piigcrte Hartwig, Friede und Ruhm suchend, nach den, heil. Grabe, kam aber ganz in der Stille wieder heim und brachte die Gebeine der heil. Anna, sowie das Schwert mit, mit welchem Petrus dcni Knechte des Hohenpriesters das Ohr abschlug. Nur einige Jahre lebte er darnach in Ruhe, da brachen nochmals heftige Fehden wegen der Grafschaft Stade aus- Hartwig gürtete sich wieder mit dem Schwerte, schlug sich mit seinen raub- und mordlustigcn Schaarcn hier und dort herum, eroberte Stade zweimal und verwüstete aus Rache sogar einmal ein Kloster. Noch ein Jahr vor seinem Tode ergriff ihn aufs Neue die Kriegslust. Er zog gegen die Stcdinger, welche der Kirche den Zehnten verweigert hatten, ließ sich jedoch mittelst Geld und guter Worte wieder absindcn. Sein Ende erfolgte im Jahre 1208. Man beerdigte ihn im Dom, später aber ließen ihn dankbare Canonici wieder ausgraben und in der von ihm gegründeten und reich begabten Collcgiatkirchc zu St. Ansgari vor dem hohen Altäre in die Gruft senken. Auf seinem Grabsteine las die Nachwelt in lateinischen Worten das freche Lob, daß er der fromme, ja der beste Vater des Landes, im ganzen Leben ein erleuchteter Mann, das Licht Christi und ein Preis seines Volkes gewesen. -—Was wir von ihm zu halten haben, das tritt aus dem, was in diesem Abschnitt aus seinem Leben mitgcthcilt ist, so deutlich hervor, daß es weiter keines Wortes darüber bedarf. Seiner mußte insofern hier erwähnt werden, als er wesentlich durch sein freundschaftliches Verhalten zum Hause Sachsen die Zuneigung der bremcr Bürger nicht gewann und daher unter seinem Regiment«: manche Plage über die Stadt erging.
12. Gipfelpunkt erzbischöflicher Macht.
Eine Stellung im Leben, mit welcher sich Glanz und Ansehen, Macht und Ncichthümer entweder von selbst verbinden oder mittelst Anwendung klug gewählter Mittel verbinden lasten, ist leider zu allen Zeiten der Zielpunkt menschlicher Begierden und Leidenschaften gewesen. So wurde auch die Macht eines neuen Erzbischofs fast alle-