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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
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erschlugen. Die Sage berichtet, wie im fürchterlichsten Gewitter ein starker Orkan die Schindeln von den Dächern der halbvcrbranntcn Kirchen den enteilenden Ungarn in das Gesicht geschleudert, sie hicr- und dorthin versprengt habe, so daß ihrer Biele von den zürnenden Einwohnern einzeln angegriffen und erschlagen, andere in blinder Hast in die Weser gejagt sein sollen, deren tosende Fluten ihnen den Untergang brachten. Noch andere Horden der Ungarn sollen von Leuten der Stadt, welche Nothwchr in der Gegend des Osierthors zusammengcsührt, aufgchalten und in eine enge Straße, die ebenfalls nach der Weser ausläuft, gedrängt worden sein. Zn dieser Gaffe haben Frauen und Kinder von den Dächern der nicht hohen Häuser, Steine, Ziegel, siedendes Wasser, geschmolzenes Pech u. dgl. aus die Barbaren geschleudert und gegossen, so daß die meisten eines qual­vollen Todes starben.

Seit jener Begebenheit heißt die Gasse noch zur Stunde die Martcrburg. Sie reicht von der Osterthorstraßc bis an die Holzpsvrte.

6. Zustände Bremens im ersten Jahr­hundert seines geschichtlichen Bestehens.

Mit dem Tode Rcmberts war für Bremen seit dem Erlaß der Stiftungsurkunde ein volles Jahrhundert zum Abschluß gekommen. Als unansehnliches Fischerdorf ward cs zu einem der Hauptorte in den eroberten Gauen des Sachsenlandes erhoben. Bischof und Graf*) standen fortan an der Spitze des bis dahin freien Gemeinwesens, das unter ihrem Einflüsse und durch die Verordnungen Karls des Großen und seiner Nachfolger eine neue Gestalt empfing. An die Stelle altherkömmlicher Gewohnheit trat ein durch bestimmtes Gesetz aus-

*) Die weltliche Macht im Erzstift lag in der Hand eines Grafen (Vogts).