1. Die Gründung der Stadt Bremen.
Von alten Zeiten laßt euch erzählen, wie sie waren und was sich in ihnen zugetragcn hat, damit ihr erfahret, auf welche Weise Alles so geworden ist und so werden mußte, wie es jetzt vor unfern Augen steht.
Folgt mir darum mit eurew Gedanken durch zwei Jahrtausende rückwärts zu der Zeit, in welcher unser deutsches Vaterland von den Römern als eine unwirthbare Wildniß und seine Bewohner als auf der untersten Stufe der Bildung stehende Menschen geschildert wurden. Da ahnte man nicht, daß jene Wildnisse in fruchtbare, gesegnete Länder, jene zwar rauhen, aber doch naturkrästigen Bewohner in ein hochgebildetes Volk sich umwandeln würden. Da fehlte die Erkenntniß der Wahrheit, daß Erde und Mensch sich stets verändern, daß die Menschheit, die von höherer Hand vorgezeichncte Bahn des Fortschrittes und der Veredlung durchschreitet.
Damals war auch die Stelle, welche jetzt unser umfangreiches, mit einer Menge schöner Gebäude geschmücktes Bremen trägt, dasselbe, was jene ehrwürdigen Alten vom ganzen deutschen Lande erzählen, eine wüste, unwirthliche Gegend. Sanddünen, mit Häide- kraut und Brombcerstaudcn wild bewachsen, erstreckten sich am rechten Ufer der Weser, welche in altsächsischer Mundart Wirraha hieß und ihren Wasserschatz, von Menschenhand ungezügelt, in vier Mündungsarmen in die Nordsee ergoß. Bei jedem Anschwellcn des Stromes wurden die Ufer weithin überflutet, wodurch der überschwemmte Boden manche Veränderung erlitt, die oft gewaltsam, hie und da jedoch allmälig vor sich gehen mochte. Auf weiten Strecken entstanden
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