Geschichte der reformierten Kirche Bremens.
ihnen, für den Kaiser zu beten oder den Geburtstag des Königs von Rom zu feiern. aber faßten Rat und Bürgerschaft den
hochherzigen Entschluß, den Katholiken die Iohanniskirche mit den umliegenden Gebäuden unentgeltlich zu überlassen. Sie wurde eingeweiht. Die Protestanten hatten ihre Gaben auch gespendet zur würdigen Wiederherstellung des schönen gotischen Gotteshauses. Nun durften die Katholiken auch mit Glocken zum Gottesdienste läuten. Und endlich erstrebten die Vorsteher der katholischen Gemeinde zu St. Iohannis eine kirchliche Verfassung, die in vielen Stücken derjenigen der evangelischen Kirchen nachgebildet war. Aber der Bischof von Münster mußte ihnen erst klar machen, daß ein Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Gemeinden und Gemeinderechten bestehe. Sein Episkopatrecht hat der Rat auch dem Bischöfe gegenüber energisch gewahrt und sein plazet bei der Berufung der Geistlichen kräftig betont, auch etwa einmal die Einsichtnahme in eine Bulle eines Papstes verlangt, bevor sie von der Kanzel verlesen würde. Und vor Proselytenmacherei hat er die katholischen Geistlichen bei Begründung der Gemeinde auch gewarnt. Das neue rationalistische Zeitalter hat die Unduldsamkeit früherer Zeiten gegen die Katholiken wieder gut gemacht, und wir leben mit ihnen in Frieden. Die Gemeinde zählt jetzt/3000 Seelen.
Fünftes Raxitel. ZNe Armenpflege und tvohltätigkeit.
Die enge Verbindung zwischen Staat und Kirche beweist auch die Geschichte der Bremischen Armenpflege. Die Bremische Kirchenordnung von ^53H handelt im fünften Kapitel von den Armen: Ls sind Diakonen zu bestellen, welche, jeder in seinem Kirchspiele, die Notdürftigen versorgen aus den Almosen der Gemeinde. Und damit es an Geld nicht gebreche in der Zeit der geoffenbarten Wahrheit, „die uns gerettet hat von mancherlei Schinderei der Mönche und Pfaffen", sind in allen Kirchen „gemeine Kasten" ausgerichtet. Die prädikanten sollen ohne Unterlaß vermahnen, daß man dieser Armenkasten gedenke, wenn man ein Testament