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3.1.1919 Vollsitzung des Bremer Arbeiter- und Soldatenrates 14
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am 3. Januar 1919 im KonvenLsaale der Wörse.

Eröffnung der Sitzung 6 Uhr 49 Minuten.

Vorsitzender Herr Brodmerkel: Ich eröffne die Sitzung. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: (Wird verlesen.)

Dann möchte ich bemerken, daß uns soeben die Mitteilung von einem Gerücht zugegangen ist, daß von konterrevolutionären Elementen ein Putsch versucht worden ist gegen den Arbeiterrat. Es sind aber alle Maßnahmen getroffen, die notwendig sind, um den Putsch niederzuschlagen. (Bravo!) Ich kann Ihnen mitteilen, daß bereits eine Anzahl Mitglieder des Ar­beiterrats mit ihren Gewehren hier waren und sofort zur Kaserne gegangen sind. Daraus erklärt sich der schlechte Besuch.

Weiter möchte ich Ihnen mitteilen, daß der Akti­onsausschuß beschlossen hat, über seine Tätigkeit, die er hier entfaltet hat, Bericht zu erstatten insoweit es sich um Fälle handelt, wegen derer er nicht die Zu­stimmung des Arbeiterrats eingeholt hat. Als solche Fälle möchte ich Ihnen zwei Punkte mitteilen. Der eine ist die Erhöhung des Brotpreises, die sich not­wendig gemacht hat auf Grund der Lohnforderungen der Bäckergesellen. Wir sind da zu dem Entschlüsse gekommen, das Brot von 2 Kg. um 10 Pfg. im Preise heraufzusetzen. Es ist aber dafür gesorgt, daß diese Erhöhung die minderbemittelte Bevölkerung nicht trifft, durch die Verbilligungsmaßnahmen, die wir getroffen haben, und die gegenüber dem Vorjahre eine Erhöhung ausweisen. Die Brotpreiserhöhung war nicht zu um­gehen, weil einerseits die Produktion in den bremischen Großbetrieben, die wir ebenfalls dabei im Auge ge­habt haben, sich nicht als möglich erwies, und weil

andererseits die Mehlpreise sich nicht erniedrigen ließen. Als zweiten Fall möchte ich Ihnen mitteilen, daß wir auf Grund der knappen Zusuhren an Kohlen uns ver­anlaßt gesehen haben, in der Polizeistunde dadurch eine Aenderung eintreten zu lassen, daß wir die Tanz­vergnügen an den Wochentagen verboten haben. Wir sind der Meinung, daß, wenn die Jugend das Tanz­bein schwingen will, sie in den heutigen ernsten Zeiten das am Sonntag tun kann. Ferner haben wir ver­anlaßt, besonders ?auch wegen der brennenden Frage der Geschlechtskrankheiten, daß die Wirtschaften mit Damenbedienung schon um 9 Uhr zu schließen haben. Ich glaube, daß Sie damit einverstanden sein werden. (Zuruf: Zur Geschäftsordnung! Ich möchte anfragen» ob die Einschränkungen in der Kohlenlieferung an die Haushaltungen auch vom Aktionsausschuß veranlaßt worden sind.) Mir ist davon nichts bekannt. Wir haben diese Maßnahmen jedenfalls nicht ins Auge ge­faßt. Genosse Swenson, der diese Angelegenheit zu erledigen hat, ist nicht hier. Aus dem Aktionsausschuß ist ein derartiger Antrag nicht hervorgegangen. (Zu­ruf: Den einzelnen Haushaltungen sind 30 Zentner bewilligt. Als erste Rate haben sie 15 Zentner er­halten, von der zweiten Rate aber nur 10 Zentner.) Uns ist davon nichts bekannt. Wenn seitens der Kohlenverteilungsstelle derartige Maßnahmen getroffen werden, so hat sie uns davon in Kenntnis zu setzen und wir werden uns sofort deswegen mit der staat­lichen Kohlenverteilungsstelle in Verbindung setzen.

Herr Herold: Zur Aufklärung über die Kohlen- frage möchte ich nur mitteilen, daß die zweite Rate in zwei Teile geteilt worden ist und zwar aus dem