Heft 
24.11.1876 Mittheilung des Senats
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1876. November 24.

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Begleitung erläuternder Zeichnungen. Von der Vorlage der übrigen Ausarbeitungen, welche in der Hauptsache im Berichte des Oberbaudirector wiedergegeben sind, theils sich auf Nivellementsfcststellungen und Kostenanschläge, sowie auf specielle Angaben der herzustellenden Canüle beziehen, dürfte, wenigstens zur Zeit, abgesehen werden können.

Die Deputation muß ihrerseits dein vorgelegten Plane, insofern derselbe nach seiner Ausführung eine einheitliche, schnelle und gründliche Abwässerung, auch der bis jetzt wegen ihrer Tieflage nicht berührten Hinterhöfe, Souterrains u. s. w. bewirken wird, Beifall schenken, und hält es für richtig, daß derselbe als Grund­lage für die demnächstigen Ausführungen angenommen werde.

Für die Durchführung des Plans haben die Techniker die hohe Summe von ^5. 3,220,000 veranschlagt, wobei die Deputation bemerkt, daß vielleicht einige noch erforderlich werdende Canäle, sowie event, in Frage kommende Grund­erwerbungen hinzuzurechnen sein würden, wogegen anderseits für die Ausführung einiger in den Plan aufgenommenen kostspieligen Arbeiten sich sobald noch kein genügendes Bedürfniß zeigen dürfte.

In Betreff der technischerseits empfohlenen Beschleunigung der Ausführung und Vertheilung derselben auf den kurzen Zeitraum weniger Jahre muß die Deputation, so wünschenswerth dies auch an sich sein würde, dennoch in Erwägung der finanziellen Verhältnisse und der vielfachen an die Staatskasse herantretenden Anforderungen, auf entsprechende umfangreichere Anträge zur Zeit verzichten, in der Hoffnung, daß eine günstigere Finanzlage sie recht bald zu einer energischeren Betreibung dieser für unsere Stadt gewiß hochwichtigen Angelegenheit er- muthigen möchte.

Die Deputation gedenkt demnach allmählich und in den durch die Verhält­nisse gebotenen Schranken ihre auf die Ausführung des Plans gerichteten Antrüge zu stellen, in der Reihenfolge, wie sich dieselbe aus dem vorhandenen Bedürfniß ergiebt, wonach zunächst, abgesehen von den in erster Reihe für die Fortschaffnng des Canalwassers von der Sammelstelle bei der kleinen Wnmme zu beschaffenden Einrichtungen, die Anlage der für die Aufnahme der Zweigcanäle erforderlichen Sammelcanäle in Betracht kommen werden. Die Deputation hat sich deßhalb erlaubt, die für die Anlage von zwei wichtigen großen Canülen und einen kleineren veranschlagten Kosten in das von der Abtheilung Straßenbau eingereichte Budget zu stellen und beantragt in der Voraussetzung, daß auch Senat und Bürgerschaft sich mit dem vorgelegten Canalisationsplan im Allgemeinen einver­standen erklären werden, ihr nach Maßgabe der verfügbaren Mittel die für 1877 vorgeschlagenen Arbeiten zu bewilligen.

(gez.) Nielsen. (gez.) I. F. Kaufmann.

Bericht des Oberbaudirector Frauzins. ,

In den Anlagen beehre ich mich, das unter meiner Oberleitung von dem Bauinspector Poppe und dein Ingenieur Graepel ausgearbeitete und von mir sowie den: Bauinspector Bücking hinsichtlich aller technischen Annahmen und Berechnungen revidirte Project der Kanalisation Bremens vorzulegen, indem ich dabei, unter Bezugnahme auf diese Vorläge, sowie auf das bekannte Project des Bauraths Hobreiht, noch im Nachstehenden einige allgemeine Gesichts­punkte erörtere.

Ich erlaube mir zunächst zu bemerken, daß so verschieden auch diese beiden Projekte erscheinen, doch die technischen Principien und Anschauungen in beiden dieselben sind.

Der Unterschied beider Projekte liegt zunächst darin, daß Herr Hobrecht nicht die vorhandenen und noch brauchbaren Canäle Bremens berücksichtigt, sondern, wie in seinem Erläuternngsbericht gesagt ist, so verfährt, alswenn Bremen eine ganz neue Canalisation rc. zur Ausführung bringen wollte". Sodann unterscheiden sich beide Prostete noch besonders darin, daß bei dem Hobrecht'schcn die Anlegung einer großen Pumpstation, welche mit einem 3500 Meter langen Drnckrohr alles nicht durch Nothanslässe frei aus-

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