Jahrgang 
Band 92 (2013)
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Interessengemeinschaft, Wertegemeinschaft oder Ordnungsmacht?

Die Hanse und Bremens Hanseausschlüsse von 1427 und 1563

Von Ulrich Weidinger

Der - meist vorübergehende - Ausschluss aus der Hanse - die sog. Verhan- sung - zählte zu den härtesten, am meisten gefürchteten Strafen, die die Hanse über ihre Mitgliedsstädte verhängen konnte. Viele, insbesondere auch bedeutende, politisch einflussreiche Hansestädte wie etwa Köln (1471), Braun­schweig (1375), Münster (1454) oder die wendischen Ostseestädte Wismar (1393), Rostock (1393, 1408), Stralsund (1392) und Stettin (1419/20) gerieten im Laufe der Zeit einmal in einen grundlegenden Konflikt mit der Hanse und büßten ihr widerspenstiges, der allgemeinen Hansepolitik zuwider laufendes Verhalten mit dem zeitweiligen Ausschluss aus dem Städtebund. Auch Bre­men, 1358 offiziell in die Hanse aufgenommen, wiewohl schon lange vorher dem engeren Kreis der Hansestädte zugehörig 1 , traf der Bannstrahl der Ver- hansung, wobei sich die Annahme eines dreimaligen Hanseausschlusses der Weserstadt (vor 1358, 1427 und 1563) bis auf den heutigen Tag hartnäckig nicht nur im öffentlichen Bewusstsein, sondern auch in der einschlägigen Hanseliteratur 2 hält. Dabei lässt sich der in der sog. Aufnahmeurkunde vom 3. August 1358 angesprochene, der angeblichen Wiederaufnahme Bremens vorausgegangene Ausschluss aus der Hanse 3 nirgendwo nachweisen oder überhaupt auch nur wahrscheinlich machen, es hat ihn mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht gegeben. 4 Und auch das 1285 im Zuge der sog. Nor­wegenkrise über Bremen verhängte Verkehrs- und Handelsverbot, 5 in dem insbesondere die ältere Forschung die erste Verhansung Bremens zu erken­nen meinte, 6 stellt keine Verhansung im eigentlichen Sinn des Wortes dar, denn ein Ausschluss Bremens von den ausländischen Handelsprivilegien der

1 Vgl. dazu U. Weidinger, Aufnahme, Wiederaufnahme oder angeborene Mitglied­schaft? Bremens Weg in die Hanse, in: Brem. Jb. 88, 2009, S. 27 ff.

2 Genannt seien hier nur ein Standardwerk der Hansegeschichte sowie eine der neue­sten Publikationen zur Hanse: Ph. Dollinger, Die Hanse, Stuttgart 5. Aufl. 1998, S. 159; R.-Hammel-Kiesow, M. Puhle, S. Wittenburg, Die Hanse, Darmstadt 2009, S. 140 f.

3 Brem. Urkundenbuch (BUB) III, 118 bzw. Hansisches Urkundenbuch (HUB) III, 412.

4 Vgl. U. Weidinger, wie Anm. 1, S. 16 ff.

5 BUB I, 427 bzw. HUB I, 989.

6 Vgl. D. Schäfer, Bremens Stellung in der Hanse, in: Hansische Geschichtsblätter (HGbll) 1874, S. 9; K. Koppmann, Die Anfänge der Hanse, in: Hanserezesse (HR) 1/1, S. XXXVII.

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