Mehrteiliges Werk 
Brief von Caroline Christiane Louise Rudolphi an Dorothea Focke, 21.01.1805
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transkribiert von Fintelmann, Anna

An Doris, Meta und Lotte              H. d. 21.Jan. 1805.
 
 
Ihr selbst hättet bei dem Empfang eurer lieblichen Gaben sein müssen, ihr
herzenslieben dreie, wen̅ ihr euch die Freude ganz denken wolltet, die ihr der
nordischen Kolonie in Heidelberg mit dieser Sendung bereitet. Wie vielmal
sind die hübschen Arbeiter seitdem schon besehen, wie oft ist die Freude durch neues
Vorzeigen erneuert!    Nehmt für heute nur wenige Worte des Dankes von
mir. Bald schreibe ich mehr, bald einer jeden ins Besondre. Dann sage ich
dir, meine Liebste Doris auch etwas über dein Bild, mit dem ich mich erst noch
mehr befreunden muß.    Noch ist mir zu viel Fremdes darin, obwohl ich es
eingestehen muß, daß es viele und große Anselichkeiten hat, und daß es ein
liebliches Bild ist. Aber wo hat den̅ der Zeichner deine liebe Freundlichkei[Aufgrund von fehlendem Papier nicht zu lesen]
laßen, die du ihm doch nicht ganz verbergen kontest? Was will den̅ dieser fast
melancholische Ernst? Und warum sahe ich auch nicht ein Fünkchen der heiligen
Freude in deinem Angesicht, wovon doch das ganze Herz voll sein muß? -
Dir, du liebe Lotte sage ich vielleicht recht bald, vielleicht heut noch in einem
besonderen Brieflein, welch ein willkom̅ener Gast du nur sein sollst, wie ich dich in
meiner Schlafkam̅er wieder ganz dicht neben mir betten will, wo jetzt niemand
außer mir schläft; und wie ich das liebe Herz wieder an meines drükken will.
Lebe wohl, Meta, lebe wohl, Doris, leb wohl Lotte. Uebermorgen kom̅t der Kirchen-
wath; dann werden alle die hübschen Sachen vom neuem aus gelegt, u. alles von neuem
beschaut.        Lebt wohl.      C.R.