Heidelberg d. 19. Aug[X]. 1805. Meine geliebte Doris, Jetzt, da alle meine Gäste fort und wir wieder alleine sind, fange ich auch wieder an meiner fernen Freunde schreibend zu gedenken. Am Sonnabend reisten die letzten. Wer das war? Es war Hedchen Bülow. mit ihrem Manne Schwägerin und Schwager. das liebe kleine Weib hat mich durch ihr kurzes Hiersein nicht wenig erfreut. Auch sagte ihr Mann ich bin stolz darauf, nur das Zeugniß geben zu dürfen, daß ich Ihnen Ihr Hedchen ganz so gut wieder zuführen, Als ich es von Ihnen erhalten. „ Sie ist sehr glücklich, und noch ganz so einfach und kindlich als wir sie sonst kan̅ten. Um mich zu erfreuen trug sie hier kein ander Kleid, als das schwarze welches ich ihr in Ham gekauft, und hat auch auf der ganzen Reise nach Paris und der Schweiz sich nicht viel anders geklei“ det. Selbst ihr Haar trug sie noch eben so. kurz sie sah auch ganz wie das Ham̅er Hedchen aus. Im Februar ziehen sie nach Wetzlar, wo er Assessor des Reichskam̅ergerichts wird. dann sind die Leutchen nur 15 Meilen von uns entfernt. Jacobi (der Vater) war mit den beiden Schwestern vom 1. bis 7. August August bei uns, und der Geheimrath Georg Jacobi aus düsseld. dazu. Als der Vater mit seinen Schwestern abgereist war, kamen Max und Anna mit ihren 3 Kindern, und blieben bis vorigen Freitag. Was war das für ein Leben in unseren? Hause, wohl ein drängen und treiben! Alles wollte den berühmten Jacobi sehen. Mit Anna und Max sind wir viel spatzieren gewesen: auch nach dem Wolfsbrunnen und nach Ziegelhausen. O mein Gott wie war die Anna entzückt von der Schöheit der Gegend! Auch sind wir mit ihr auf den heiligen Berge an den Ruinen gewesen. Eben so nach Schwetzingen und Manheim. Auch haben sich Anna und Hedchen nach einem Tag hier getroffen. So haben wir fast in einem Rausche diese 14 Tage hingelebt. Seit 4 Wochen leben auch Vossens in Heidelb. und wir sehen sie nicht selten. Ihr Umgang hat viel Anziehendes. Es liegt eine ganz eigene treuherzigkeit in dem ton und ganzen Wesen dieser beiden Menschen. Emilie unsere liebe Emilie erholt sich täglich mehr. Von Wilhelmine hörte ich lange nichts. jetzt, meine geliebte doris ? Gedeihet dein kleiner nach Wunsch? bist du selbst gesund? Und was macht Meta? die unartige Persen hat so lange nicht geschrieben. Es sind so viele Bremer dies Jahr hier gewesen, und kom̅en deren noch: sollte Meta nicht mit ein[e] dieser Parthein die Reise nach Heidelb. haben machen können? die 24 Stunden vom vorigen Jahre bedeuten so gar wenig. Und noch dazu fielen sie gar nicht in den besten Zeitpunkt. Lebe wohl meine liebe liebe Doris. Ich darf nicht mehr schreiben, wenn der Brief heut noch fort soll. Sind friedchen und maichen bei dir gewesen? und hast du dir recht viel von uns erzählen lassen? Gestern war der 24. Jahrestag unseres Einzugs in H. Ich habe ihn mit sehr wohlthätigen Gefühlen gefeiert. Lebe wohl und noch einmal wohl, du Liebe. C.R. Emilie grüßt herzlich An Frau Doktorin Focke gebr. Olbers in Bremen N 36