N 61 An Frau Doktorin Focke geb. Olbers in Bremen [Rückstand vom Siegel [, ihr]] Heidelberg d. 14 Jul. 1810 Meine liebe Doris und Lotte Ich schreibe euch beiden wie einer Person, und auf einem Blatte, theils weil es zu zwei Briefen durch aus an Zeit mangelt theils weil es ja bei einigen innigen Verein auch eines ist, wenn ich schreibe, da ihr es alles gemeinschaftlich nehmt, was ich geben kann,es, nun sei Gutes oder Schlim- mes. Zuerst als seid ihr beide dan̅ recht sehr ausgescholten, dass ihr mich so ganz ohne Nach- richt von euch lasst, da ihr doch wissen küntet, dass mir Fockens Unfall nicht unbekan̅t bleiben würde die gute En. Platzhoff übefiel mich mit der Nachricht bei unserm ersten Sehen auf dem Schloss auf eine recht peinliche Weise, aber sie war unschuldig, denn sie setzte voraus, ich wisse es schon durch Doris, und wollte nun von mir nur frischere Nachricht von euch haben. Aus meinem Entstauben? hin ihrer Frage was ich zu Fockes Unglück sage merkt sie erst was sie gemacht, und es that ihr Leid. Seit diesem Tage nun sehe ich jeden Post- tag vergebens nach Nachrichten von euch aus. Wen̅ Doris nicht schreibe konnte, warum schrieb Lotte nicht, und wenn Lotte und Doris nicht kon̅ten, warum nicht Meta? Ach fragt jemand. ---- Wie kan̅ man nur solches Schweigen bei sich entschuldigen, und bei der, die man einmal Mutter nan̅te. O welch ein unzuverlässiges Ding ist das menschliche Herz! -- Aber sagt mir nun nur das es nicht so schlim̅ sei, als es den Anschein hatte, dass alles auf bestem Wege sei und es ist alles wieder gut, --- Platzhoffs waren etwa 8 Tage hier; und schienen sich gar erst hier zu gefallen; auch haben sie selbst recht ange- nehmen Eindruck hinterlassen. Sie erwarteten auch Bensenberg hier, aber vergebens; er ist nicht gekom̅en. Eine ganz große Freude waren mir 8 Tage zuvor ehe Platzhoffs kamen. Es kam nemlich Lore v. Syberg mit ihrem Zeib für auch 8 Tage zu uns. Er ist ein edler Anglitz Man̅ und wie vom Himmel auserlesen, in L. alles Schöne und Gute zu werden, was theils noch nicht erwacht war, theils in den 3. Jahren seit sie von uns zurück ist, ganz eingeschlafen zu sein schien. Er allein kann sie zu einem verträglich Weibe machen; auch sie fand an ihm heraus und hängt danach ihre Sele mit aller ihren Kraft zu lieben an seiner Sele. O wie mich ihr Anblick erglückt und getröstet hat! Jetzt seid sie in der Schweiz, von woher sie mir lieb geschrieben haben, und sehr sehr vergnügt. Auch von L. aus Basel habe ich vor 14 Tagen einen Brief erhalten, den ich euch gern mittheilte, [Textverlust durch Tintenfleck] ihr [Textverlust durch Tintenfleck][Textverlust durch Tintenfleck] zu beobachten hätte. Es ist nur [Textverlust durch Tintenfleck] als ob er mir durch diesen Brief noch vor- ther geworden; der besagt so warm, so innig und doch voll män̅licher Härtden wie ich ihn nur wünschen kon̅te. Nach den Bremerinnen frugt L. auch seine ihm eigen zarte Briefe. Kan̅, will meine Lotta ihn mit einem Briefe anheuern, so will ich ihr gern besorgen - Vielleicht ihr selbst über geben, den̅ mein Wunsch nach einer schwei- zer Reise ist noch nicht aufgegeben. Es ist noch möglich, daß ich reise. Und wenn ich den Br. in 14 Tage erhalte, kanı ich ihn selbst mitnehmen, den̅ heute kan̅ ich gewiß nicht zur Reise, wie ich dahin gelange. Vielleicht dauert es auch noch 3 Wochen; den̅ ich habe noch manche Schwierigkeit zu überwinden, ehe ich nur sage dass; ich will, und hernach müssen doch auch einige Einwih dun- gen getroffen werden. Auß und wenn dan̅ alles bei Seit ist, dann ist es wirklicht zu spät im Jahre. - Wie ist es mit Mate? ist sie noch bei euch in Bremen? und hat die unglückliche [das] als [Kange]. nun Sch [Textverlust durch Siegel] Einfluß auch ihr dortbleiben gefehlt? Lobt [Textverlust durch Siegel] lieben beiden oder ihr drei, wen̅ Mate noch dort sein sollte. Und schreibt bald , bald. E´.R. Lasst mich bald wissen, was Focke macht?