Heidelberg d. 3 Merz. 1811. Liebe Doris und Lotte. Noch einmal schreibe ich Euch durch Emili- ens Hand und muß ja Gott danken, daß ich dies und noch wieder kann. Der Febru- ar war ein harter und böser Monat für mich; aber er ist vorüber; auch diese ersten Merz Tage sind noch nicht so wie ich sie wünschte und hofte - doch es wird ja endlich besser gehn. Deine Wein gabe, meine liebe Tochter Doris, habe ich mit herzlichem Dank empfangen. durch ein halbes Wunder sind wirklich 4 Bouteillen ganz zu mir gekom̅en, da der Regel nach wohl alle hätten ent- zwei gehn müßen, weil durch zwei zer brochene einmal eine Lükke im Kasten entstanden war. Aber 4 waren mir wirklich bestimt. Die habe ich erhalten und eine davon schon getrunken. --- In der letzten Zeit hätte ich frei lich keinen gedurft, weil er für die- sen Zustand viel zu stark ist. --- Aber die Zeit muß bald wiederkom̅en wo er mir eine wohlthätige Arzenei ist. Was machen deine Kinder? und du selbst, liebes sorgsames Müt= terchen? Und was macht meine Lotte mit ihren kranken und krenklenden Geschwi- stern? Gebt mir bald wieder Nach- richt von Euch. Emilie, die starke, läßt diesen Winter keine Krankheit an sich kom̅en und wehrt sich aus aller Macht gegen das, was sie niederziehen will, besonders gegen den Schmerz. dafür ist sie aber auch mehr wie jemals die Meinige; so wollte ich haben, und so habe ich sie wirklich. Uebermorgen ist ihr Geburtstag, es ist aber auch nicht und darf nicht eher sein als bis er mit dem Genesungsfest auf einen Tag gefeiert werden kann. - In diesem stillen Kelch häusliches Freude dürfen diesmal keine bittern Tropfen herabfallen. - Ueber Benzenbergs Hiersein im Dezember habe ich dir bis jetzt nichts geschrieben und werde es auch noch nicht. - Das bleibe aufgespart, bis auf ein ander mal. Vergessen soll es nicht werden. Wen̅ du aber dein Vater Brandes schreiben, so laß ihn doch wissen, daß ich seinen Brief erhalten und wa- rum ich nicht antworten kon̅te noch kann. Ich wünsche aber ihn und die Seinige herzlich gegrüßt zu sein. Viel, sehr viel werde ich noch zu holen haben in jeder Art Geschäft und Genuß, wen̅ ich einmal erst so weit bin, daß hieran die Rede sein kann. Meta hat einen sehr langen aus- führlichen Brief gesand, wodurch sie zurecht sich weder rechtfertigen wollte noch kon̅te, aber sie steht nun wieder mit ihrem ganzen Geistesleben vor mir da - ich erkenne sie wieder und das ist ja genug. Lebt nun wohl ihr holden beiden. Grüßt alles, was libend oder theilnehmend nach mir fragt. Ich gebe Voll= macht dazu. Lebt wohl. Eure C.R. Ich habe in dieser traurigen Zeit so oft an Euch, Ihr lieben Beiden, gedacht, aber ich hofte von einem Tage zum andern, euch tröstliche Nachricht bringen zu kön̅en, und daher schreibe. Emilie