Heidelberg d. 10. Okt. 1807 Ich fand heut eine kleine halbe Stund, an meine Lotte zu schreiben und nutzte sie. Nun ist aber die Frage, ob Lotte schon wieder von Osnabrück heimgekehrt ist ? In dieser Ungewißheit adressiere ich das Brieflein an dich, liebste Doris. Meinen letzten Brief vom 22. Sept. wirst du erhalten haben. Die beruflichen Briefe aus Düsseldorf gleichfalls. Vorigen Son̅tag hatte ich von Madam Fries |bei deren Mann der junge Platzhof ist| B. würde mit seiner jungen Frau in dieser Woche hiehr kom̅. Sie sind aber bis jetzt nicht erschienen.- Ich kan̅ es auch kaum glauben, da er mir vor einiger Zeit schrieb, sie wollten die Reiß hierher bis zum Frühling aufschieben. In jedem fall sollst du davon hören, wenn Sie hier gewesen sind.- -Deinen trefflichen Vater beschäftigt derselben und unerwar- teten Gast auch von nicht wenig. Schade schart daß zum beobachteten die Witterung so ungünstig ist. Laß mich doch in deinem nächsten Briefe wissen, ob dem Vater wirklich den Kometen nicht erwartet hat? Wir haben ihn 3 Abende sehe schön gesehen, seitdem ist es trübe. Auch diesen Abend ist der westliche Horizont ganz mit Wolken bezogen, und wir wer- den schönen Fremdling nicht sehen. Unsere Emilie ist heut sehr heiter, sehr froh; sie feiert heute ihren Jahrestag unserer Bekantschaft. Es sind heut 14 Jahre daß sie zu mir kam. Sie sagt mir das in einem schönen Blättchen, welches ich diesen Morgen in meinen Pult fand. Wie hat diese stille schöne Sele sich veredelt! Und wie viel hat sie in den letzten Jahren an Selbstständigkeit gewon̅en Lebe Wohl, meine geliebte Doris. d. 13. Mein Blatt und an dich, und der Brief an Lotte sind liegen geblie- ben, aber ich kan̅ auch heute nichts weiter hinzuthun. Gieb uns bald Nachricht von dir, liebste Doris. Und nun auch noch einmal leb wohl Deine C.R. [Durchgedrückt siehe Seite 4] An Frau Dorothea Focke geb. Olbers in Bremen