eine Wallfahrt zum Bergstraßer Frühling. - Drei Meilen lang sehen wir unter blühenden Apfel= und Birnbäumen, u. über unabsehlichen Weizen= u. Spelzfeldern hin, denn Grün alles übertrifft was ich an Getraidfeldern noch sehr u. das Auge Herz u. Sele auf eine wunderbar- Art erguckt. Nirgends nirgends ist auch nur ein ödes Fleckchen zu sehen; alles ist bebaut, und jemehr man von dieser wohltätigen Freud hier Redet, je mehr giebt sie. Bis dicht an die waldigten Gipfel hinan sind alle Berge mit Wein, Kastanien, Mandeln, Pfirsichen Birnen u. Kirschen bebaut. - - - Wie das durchein auch blüht! Pinige Berge sahen in den Faren wie halb beschaeint aus. - - - Wir fuhren auf einen reizenden Landsitz zum Oher. Da hahten wir aus den Saalfenstern eine Außsicht, wie ich sie nie sah. Der Hof liegt eine Viertelstund von der Bergstraße ab in der Ebene. Da ubersieht man aus den Fenstern die ganze Bergkette vom Melibokus an / der höchste von allen / bis jenseits Heidelberg, etwa eine Streke von 20 Minuten oder 10 Meilen, u. so weit man sieht, die höchste Fruchtbarkeit, die üppigste Fülle. - - - Es hat bis gestern fast alle Nächte geregnet, u. am Tage ist es das schönste Wetter, u. diese häufigen Regen erhöhen die Fruchtbarkeit u. die Kraft aller Farben & Natur so sehr. - - - Wir kamen erst spät beim Sternenlichte zu= rück. Venus war uns rechts im̅er zur Seite Jupiter und Saturn / ich glaube das sies waren; ich sah aber kein Polende / schritten vor aus an dem Gipfelberge den Königsstuhl am Berggipfel hinauf. - - Von dem Landsitze habe ich noch zu sagen, das seine Eigenthümerin ein recht liebenswerthe Frau uns auf eine Art empfing, wie man nur die willkom̅ensten Gäste aufnim̅t. Auch huldigt sie den Musen in eigener Person. Sie zeichnet u. spielt vortreflich und erzieht zwei liebliche Töchter u. 3 Söhne. Gerade den schönsten Zim̅ern über liegt ein Vorberg mit einer der prächigsten Ruinen. Es ist des alt Schloß von Schriesdheim. Am Fuße des Berges liegt das Örtchen dis Namens. - - - - So liebste Doris, ward der erste Mai in Heidelberg begangen; uʿ es fuhren 2 Wagen voll glücklicher Menschen wider nach Hause Von Wilhelmine wirst du dir sehelig gewünschte Nachricht nun haben. Heiden hat mir in einen sehr artigen Brief die Geburt seines ersten Söhnchens gemeldet. Der Brief war am Tage nach Wilhelmines Entbindung geschrieben, u. sie war samt dem Kleinen wohl. Schreib mir nun bald wieder meine liebste Doris, und erhalte mich vertraut mit allen deinen inneren und äußeren Angelegen= heiten, wie du bisher gethan. Emilie ist nun ganz wieder besser. Auch mein Augesübel darf nicht lange mehr aufallen. Es wäre ja hart, wenn einem ein solcher Frühling verküm- mert würde. Zu deinem lieben Geburts= tage möcht' ich dir gern die verlohrne Haar= kette ersetzen; ich schicke dir aber nur das sichtbare Haar dazu, das noch vor wenig Tagen einen Bestandtheil dieser Freundin ausmachte. Las Es dir dort flechten, wie du Es am liebsten hast. Leb wohl, o leb wohl! Grüße deinen Focke. Sende eiligends an Elisen, die ja wenig Brief erhalten haben wird. Alles alles hier grüßt dich, am meisten Deine Cʿ. R. Auch erfolgt noch ein Reig zum 6. Mai.