Ham, in Heidelberg. d. 22. Augs. 1803. Seit dem 18. Nachmittags um 5 Uhr sind wir hier, liebste doris, hier in der gro[ßen] herrlichen Natur der Pfalz, umgeben und überströmt von der fülle des Seyens. - - - denke dir das höchste von Fruchtbarkeit, von üppiger fülle, was deutsch „ lands Him̅el und deutschlands Boden gewähren können, und du hast ein Bild von unserer Ge- gend. Mein Gartenstübchen, in welchem ich sitze und schreibe sieht nach einem sehr nahen Berge, der zum Theil mit Kastanienwäldern bedeckt ist. - Mit Weinreben sind alle Häuser und Hütten am überhagen, und die nahen und fernen Berge, die keine Waldung haben, oder keine Felsen sind, sind von unten auf bis zum Gipfel mit Wein bebaut. In diesem Stübchen im zweiten Stack, kukken die Trauben zum Fenster herein. Am Tage nach unserer Ankunft haben wir weise Trauben Pfirsichen und Zwetschen gegeßen. Die Bergstraße von darmstadt hirher ist ganz mit Nußbäumen und Birnbäumen besetzt. — Der Kirchenrath Mieg und seine Frau sind sehr herzliche, sehr liebe Menschen, die uns alle mit vieler zuvorkom̅ender Lieb[e] empfangen. Er kom̅t fast täglich, zu sehen, ob ich seiner auch irgend wozu bedarf! und geht so oft ichs will, mit uns spatzieren. 25 Jahr hat er hier gelebt, und kennt alle schönen Plätze, und hat ein warmes Herz für alles Schöne und Gute. Außer seinem Hause kann ich kenne ich noch niemand. Mit meiner Einrichtung bin ich schon ein wenig vorwärts gedrungen. Es fehlt nur noch an vielem Hausgeräth, welches ich hier nicht fertig kaufen, und nicht schnell gemacht bekom̅en kan̅. doch ist unsere Wohnstube schon wohl nett; und dise worin ich schreibe, auch. Alles andre wird schon kom̅en. Von der Reise hätte ich dir recht viel zu erzählen; aber woher Zeit nehmen, liebste do- ris? - - - - Vielleicht ein andermal. Auch hat der Brief, der in deinem einlag, mich schmerzlich? ergriffen, und mir Tinte und Feder sehr zu wie- der gemacht. — Muß den̅ das Herz im̅er zu leiden haben! Lebe wohl, geliebte Doris. Laß diesen Brief auch für meine Meta ge- schrieben sein, im fall ich ihr nicht mehr sollte schreiben können. deines Vaters Brief, der von Hamburg zurük mir nach frank- furth nachgeschickt ward, laß ich an der Bergstaße nicht fern von [Weinheim] in der schönsten Gegend. Leb Wohl. Wen̅ ihr Bremer Ham̅erinnen ein mal wieder einen Ham̅er thee habt, so gedenkt meiner, und seid alle gegrüßt. Lebe wohl, Doris, und lebe Meta, Emilie grüßt. 16 An Doris