Ham.d.27.Jan.1803 Nicht wahr, liebe Doris, ein Wort au̅s Ham ist angenehm, auch wenn man es noch nicht erwar- tet? Ich hörte in diesen Tagen, dein kranker Onkel werde nicht nu̅r nicht besser, sondern täg -lich schlim̅er, u̅nd du̅ werdest ihn wahrscheinlich verlieren. --- d. 29. O dies ist ein peinlicher schmerzvoller Zustand! Und dennoch, liebe Doris, preise ich dich glücklich; denn kan̅st du̅ nicht helfen, kan̅ dein Theu̅rer Va- ter nicht helfen; ist alle Ku̅nst hier vergeblich---- so ist es doch die mildernde Liebe, die zarte sorgende Pflege nicht.--- Es ist die traurige, eine schmerzliche Freude, aber es ist im̅er eine Freu̅de, die Herz und Seele veredelt, und u̅nseren besseren Theil zu̅ einer schnelleren Reise bringt, wenn es u̅ns vergönnt wird irgend einem Geliebten, der sein Schicksal hier u̅nten entfalltet, den du̅nklen Weg ins u̅nbekandte Land du̅rch zarte Liebe zu erhellen. Ach die letzten Wochen meiner scheidenden Mutter u̅nd meines voraneilenden Bru̅ders werden mir u̅nvergesslich bleiben. Das Herz blu̅tet tief u̅m beide, aber es fließt Balsam in die Wu̅nde wo sie am schärfssten schmerzte; denn--- es gelang mir den herben Kelch zu̅ versüßen, u̅nd jetzt ist die Erinnerung an jene Tage zur wehmütigen Freude geworden. Daß sie hingingen war un- vermeidlich, daß er mir aber vergönnt ward; ihnen das zu̅ sein, was ich ihnen war, das nehm ich für au̅sgezeichnete Begünstigung meines Schick- sals. Von Wilhelminen, die jetzt von Berlin wieder zurück sein muß, habe ich lange keine Briefe, erwarte aber recht bald einen. Von der Gräfin und von Reinhold brachte mir Probus Briefe mit, der zu̅m Umschlag in Kiel war, u. bei Reinhold logiert hat. Beide geliebten Menschen werde ich im Frühling heir sehen. Die Gräfin vielleicht im Som̅er. Reinhold Ostern gewis. Wie solche Au̅ssichten den Winter erheitern weisst du̅. Au̅ch bedarf der diesmalige für mich der Aufheiteru̅ng wirklich. - Das Warum ! lieber mündlich, wenn wir u̅ns endlich wiedersehen. Auch sollen ja ohnedem die Inpredienzen des Lebens aus Wunsch und Hoffnung bestehen. Mit unsern sämmtlichen Gesundheiten war 12 (Am oberen Rand überkopf stehend.) N es bisher leidlich genu̅g, wenn gleich nicht so das sich eben sehr darauf setzen ließe. Nach jetzt in diesem Augenblick habe ich eine kleine Patientin, die ich in ein warmes Zimmer um betten lasse; aber das ist gewis von keiner Be- deu̅tu̅ng. Von Ju̅lie v. Rosen hast du̅ gewis du̅rch Mata Nachicht, die mit ihr im Breifwech- sel steht. Hedchen v. Bülow ist seit 4 Wochen die glückliche Gattin eines sehr geachteten Ma- nes. Lina, Gu̅sthem und Charlotte schrieben fleißig. Au̅gu̅ste W. geht es sehr gut bei der Gräfin Lu̅ckner. Und ML. Mericer hat bei der Prinzessin Kämse über allen Au̅sdru̅ck gu̅t getroffen. Das ist eine Prinzessin wie sie nicht häu̅fig sein mögen.Lette Rensen hat kürzlich geschrieben. Leb wohl, beste Doris. Empfehle mich din Eltern u̅. sei hrzlich gegrüst von uns allen. C. R. Satz Links an der Seite = dein Katiechen ist längst ? (Wort unkenntlich,Buchstaben:i ten) unmittelbare Vormundschaft des Himmels zurück gekehrt.