Ham. d. 27. Sept. 1802. Durch unsere Meta, die am Son̅abend Morgen von uns reiste, dir ein schriftliches Zeichen meines Andenkens zu senden, war freilig mein Wille, aber der Wille kon̅te nicht zur that werden. Auch heute, liebe Doris, treibt mich nur ein Auftrag an, den ich gestern übernom̅en?, dir eine Frage vorzulegen. Du kennst ja ein? [Mlle.] Gesenius, die in deines Onkels Hause Erzieherin war. Was kan̅st du mir von ihr sagen? War sie von ihren Zuglingen geliebt? War der Intendant u. die Intendantin mit ihr zufrieden? und war sie zufrieden? oder warum ging sie weg? —— Wenn ich nicht irre, so bist auch du, liebe Doris, wenigstens eine Zeitlang ihre Schülerin gewesen. Sage mir was du von ihr zu sagen hast, bald, u. lieber auf einem besondrn blatte deines Briefes, so daß ich der M. Tiedeman das Blatt selbst schikken kan̅, den̅ sie ist es, die Mutter meiner [Fany], die Mlle. Gesenius zur Erziherin ihrer andern Töchter engagieren will, und die so gern voher noch mehrere- Zeugnisse über sie einsam̅eln wollte . Sie kennt sie nur durch eine Freundin des Gesenius, die jezt in Hamburg lebt. Wie wir jezt leben, wird Meta dir haar- klein berichten können. Sie wird dir sagen, daß jezt wieder ein recht liebes trauliches Schwester= häufchen um mich ist, daß unter diesem Völkchen ein friedlicher sehr schwesterlicher ton herrscht, u. daß unser from̅es Idillenleben uns selten durch [hartgroseische] tun unterbrochen wird. Sagen wird sie dir auch, wie [warm] wir der Abwesenden Gedenken, und wie Wilhelmine u Doris in unsern Gesprächen leben. Daß Wilhelmine nur diesen Herbst nicht kom̅t, ist entschieden, und —- ist uns nicht einmal unlieb; den̅ jezt denk ich meine beiden lieben Mädchen auch einmal hier zu haben. So bald ich weiß, wann Wilhelmine kom̅en kan̅, schreibe ich dem besten? Dr. Olbers einen Brief — einen Brief, der ihn so ans Herz greifen soll, daß er selbst sagen wird: "Mache dich fertig Doris, es steht dir eine Reise bevor." Auch wird es sol- chen Grund zur Reise nach Ham geben, dem niemand widerstehen kan. Doch die liegen im tiefsten dunkel eingehüllt. —- Nicht als ob der jüngste Tag kom̅en sollte; nein das nicht. Zum Glück, liebe Doris bist du ja nicht neugierig —- Nun so lebe denn wohl. Frage die Meta nur recht aus: die weiß so manches, was andre Leute nicht wißen. Leider weiß sie auch, daß Reinhold und die Gräfin Münster dies Jahr wohl nicht kom̅en werden. - — — Adie doris, Wie wenn dise beiden nun im frühling auch kämen?Adie C. R. N 10