Ham den 25ten August. Wie unerwartet war mir Ihr lezter lieber Brief, mein lieber theurer Vater, o meine besten Eltern, wie sehnt sich auch ihre Doris nach Ihrer Umarmung, o welch ein seliges Wie[=] dersehn; noch 6 Wochen; sehe ich meine Geliebten alle wieder - und [..en̅e] hier von allen o könnte ich doch Ham und Bremen vereinigen. Ich bin hier unbeschreiblich glücklich gewesen! Wie soll ich es Ihnen, meinen theuren Eltern je genug danken, daß Sie mich hier her brachten. Sie werden sich selbst immer mehr davon uberzeugen wen Sie hier herkommen bester Vater, wenn Sie sehn wie Heiterkeit und Ge= sundheit auf alle Gesichter gezeichnet ist. Sie müßen hier durchaus einige Tage bleiben Salle, Herr Doctor und alle meine Schwestern wünschen es u. bitten darum. - Gestern feierten wir den herrlichen 24ten August, den Geburtstag unserer geliebten Mutter, welch ein Freudenfest für Ham. Wir waren den Morgen schon früh auf, und zierten die kleinen Geschenke in Selchens Zimmer auf, mit welcher Ungeduld erwar= teten wir den Augenblick wo sie erwachen würde. Unsere Erwartung dauerte nicht lange Selle kam bald zu uns unleserlich durchgestrichen [unleserlich durch gestrichen] nach einen herzlichen freundlichen Guten morgen gingen wir im Garten. Unsere Mutter laß uns nachdem wir lange spatzirt waren ein sehr schönes Gedicht vor, und dan ging der Zug nach Sellens Stube. - - Den ganzen Tag wurde gelacht und gesprochen wir waren so seelenfroh, so glücklich. Den Abend wurde eine Stunde getanzt, und der Tag ward nicht minder froh beschlossen, als wir ihn angefangen, o schöner 24 August [...] d[ie] doch noch oft recht oft, so glücklich für Ham zurück! -- Lotte Döhle ist schon zweimal hie gewesen wie heiter und freundlich ist sie, alle Hammerschwestern sind ihr schon gut, den solche Eigenschaften sind hier hoch, sehr hoch angeschrieben, ich will sie hier so gut wie möglich einführen, sie wird [hier] auch gewiss so glücklich sein wie ich es war -- glückliche Lotte. -- Leben Sie wohl mein bester Vater ich muß schl[ießen] so gerne ich auch noch einige Zeilen schrieb. Ihre Doris Obschon unsere Doris meinen Auftrag an den geliebten Vater schon ausgerichtet hat, so muß ich doch noch ein Paar eigne Worte hinzu setzen. Es bleibt also bei der von Ihnen festgesetzten Zeit der Abholung Ihrer lieben Tochter. Sie wird gegen Anfang Oktobers be= reit sein, an der Hand des gütigsten Vaters aus ihrer zweiten Heimath in die erste zurück zukehren, von unser aller Liebe begleitet. Der Anfang des Oktobers ist auch mir eine bequeme Zeit dazu. -- Und nun, lassen Sie, würdiger Freund, mich noch einmal die Bitte wiederholen, wenigstens ein Paar Tage mit uns in Ham zu leben. Es ist dies ge= wiß ein Mittel, Doris und mir die Trennung zu erleichtern. Einen andern Trost finden wir beide in dem Gedanken, daß sie ihre Zeit hier gewissenhaft und zu ihrer wahren Verrede- lung verwendet. Leben Sie wohl. die Ihrige C. Rudolphi