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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Wittes, Shakespeare, Goethe, vorbereitet, die mir recht anfechtbar erscheint. Alles in allem: Hauser ist der bessere Historiker, Busse der feinere Poet, jenes Buch lehrt mehr, dieses gibt mehr ästhetische Anschauung, wie denn auch schon im Titel bei jenem der Ton auf Weltgeschichte, bei diesem auf Weltliteratur liegt. Die Ausstattung beider Werke entspricht dem hohen Rang der Verlagshandlungen, bei Hanser finden wir Tafeln, die besonders für die ältere Zeit ausgezeichnet sind (ein Pracht­stück ist z, B. die erste Sure des Korans), bei Busse ist der Schmuck auch über die Seiten verstreut. Das Format beider Werke ist im Verhältnis zu dem riesigen Inhalt handlich und bequem.

Dr. Heinrich Spicro-Hamburg

Fr. Hülmer: Paul Bourget als Psycho­log. Dresden 1S10, Holze u. Pahl. 83 S.

Die sorgfältige Studie Hütte Wohl ein besseres Kleid verdient ich meine Von­seiten des Verfassers. Wer so hübsche Wen­dungen findet wieMnrginal - Psychologie" (für Bvurgets Art, seine Figuren am Rande zu interpretieren) odervorausgeschickte Charakterinventarien", der sollte sich nicht den Eindruck durchgang und gäbere Metaphern",Phänomenismus" u. dgl. selbst schädigen. Wer den Stoff so gut gliedern kann, sollte die Dispositien auch äußerlich klar hervortreten lassen.

Hübner untersucht nämlich erst die Theorie, dann die Praxis Bvurgets. Schon in der Theorie, die er von Paine übernommen hat, spielen doch persönliche Momente mit; der ganze »Koman ä'ansl^se" ist eben die theoretische Rechtfertigung eines Mvsaikmalers, der keine großen Umrisse zu zeichneu versteht. In der Praxis trägt es nun aber vollends das Tem­perament über die Lehre davon, worin bei uns Spielhagen zu vergleichen wäre. Schon die politisch-soziale Voreingenommenheit teilen beide (wenn auch mit entgegengesetzten Vor­zeichen). Aber wo uuser Romancier sich durch rhetorisches Pathos hinreißen läßt, regieren den Franzosen kleinliche Neigungen seines Scholismus, der imäöcor" schwelgt und «uch in Psychvlogischer Hinsicht nur die blassen Gesten blasierter Seelen mit seelischen Kuriosi­täten vorführt. Eine gute Analyse von Bvurgets

Persönlichstem Roman, demDiaphe", zeigt besonders deutlich, welche Kluft die ästhetische Absicht und die Politische Tendenz trennt. Dies vor allem macht die Romane des aus­gezeichneten Kritikers so unbehaglich, wie sie oft langweilig sind; uns wenigstens sind die neueren nur als Exkurse zu derps^cnoloZie contemporaire" erträglich.

Prof. Dr. Richard M. Meyer-Berlin

Bildende Kunst

Dekorative Malerei. Die moderne Malerei hat ihre Feuerprobe erst noch zu bestehen. Wird sie fähig sein, all die differenzierten Versuche zu großen, starken Einheiten zusammenznfasseu? Wird es ihr gelingen, aus den vielerlei Möglichkeiten zu dem Stil zu kommen und aus den Techuikeu heraus zu einer bezwingenden Monumentalität, in der die große Persönlichkeit ihren Ausdruck sich Prägt?

Es regen sich die Anfänge. Vielleicht ganz schüchtern und scheinbar zu persönlich und exklusiv. Aber in mancher unscheinbaren Zeichnung, deren markantes Liniengewirr sich ins Bizarre verliert, in manchem Blatt, das in seiner Farbenkomposition eine bewußte Schönheit betont, die sich über den Gegen­standerhebt, lebt eine geheimeMonumentalität, und aus der Sehnsucht, die Natur zu über­winden, sie zu vergewaltigen, zu steigern, spricht ein neuer Formwille.

Sicherlich ist dies ein Weg, aus der drohenden Stagnation hernns und zu neuen Zielen zu komme». Hierin versagte das gegenwärtige Geschlecht. Der kommenden Generation ist diese Aufgabe zugewiesen. Diese Sehnsucht liegt ihr im Blnt. Aber das Geschlecht von .Künstlern, das gegenwärtig herrscht, hat dazu beigetragen, die Wege zu ebnen. Es hat die Mittel verfeinert, bereichert; in unermüdlicher Arbeit hat es um die neuen Ausdrucksfähigkeiton der Malerei gerungen und nicht eher geruht, als bis ihre Aufgabe erfüllt war. Es hat in dieser resoluten, rücksichtslosen Art die Vor­würfe eines unorientierte» Laientums erfahren müssen; die Allgemeinheit sah fremd diesem immer wieder erneuten Beginnen zu, das einem Arbeiten im Fachkreise gleich schien, und die offizielle Anerkennung blieb aus.